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Die Arten und Formen der Wirtschaftsbetriebe.
Anhang: Übersieht über die geschichtliche Entwicklung und den tatsächlichen Stand der
Konzerne und Trusts in Deutschland.
Bis zu dem Kriege konnte Deutschland als das typische Land der Kartelle gelten, woraus
geschlossen werden kann, daß in starkem Maße eine gewisse Gleichmäßigkeit der Kräfte in
den einzelnen Geschäftszweigen vorhanden war. Nichtsdestoweniger machten sich Zusammensohlußbestrebungen
und zwar in bestimmter Richtung bemerkbar. In der Montanindustrie ging
z. B. neben der Kartellierung der Übergang der reinen zu gemischten Betrieben einher und
ferner die Ausweitung durch Angliederung gleichartiger Betriebe und Neuerrichtung. Die
ursprünglich ganz natürliche Trennung von Grubenbetrieb, Aufbereitung, Kokerei und Nebenproduktengewinnung
oder Brikettfabrik, oder etwa von Erzgrube, Erzauf Bereitung, Hoohofenwerk,
Stahlwerk, Gießerei oder Walzwerk, war schon vor dem Kriege fast völlig verschwunden,
wenn man von Ausnahmen absieht, die durch besondere Verhältnisse bedingt und z. T. noch
heute vorhanden sind. Technische und standortliche (Transport-)Gründe haben hier einer
klaren Vor-Naoh-Zusammengesetztheit zum Durchbruch verhelfen. Die vorgenannten Betriebsgrenzen
sind heute so verwischt, daß etwa das Fehlen einer Auf bereitungs- und Brikettieranlage
oder einer Kokerei und Nebenproduktengewinnung bei einer Steinkohlengrube auffallen
würde. Ebenso ist das reine Hoohofenwerk eine seltene Ausnahme geworden (im Siegerland
für Spezialeisen); im allgemeinen sind nicht nur Stahl- und Walzwerke nachgeschaltet,
sondern häufig auch Erz- und Kohlengruben vorgelagert, daneben aber noch in den meisten
Fällen Verarbeitungswerkstätten (Eisenhooh-, Brücken- und Maschinenbauanstalten, Schmiede-
und Preßwerke u. a. m.). Auch die Verbindung von Kohle und Blektrizitäts- und Gaserzeugung
hat ihre Anfänge schon in der Vorkriegszeit.
a) Konzentration
A
Betrieb
Größe
Zusammengesetztheit
Gliederung
I
II
III
I
II
III
Kartell
Konzern
Trust
Unternehmung
b) Förderungsgemeinsohaft
B
In den übrigen Gewerbezweigen ist eine so klare Vor-Naoh-Entwioklung nicht zu beobachten;
im Gegenteil scheint besonders in der Fertigungsindustrie und im Handel, natürlich
auch im Verkehrs- und Bankwesen, der Grundsatz der Neben-Aus Weitung vorgeherrscht zu
haben. Aber es ist eben dabei zu beachten, daß ganz reine Neben-Angliederung in der Praxis
wegen der kaum übersehbaren Mannigfaltigkeit der einzelnen Stufen sehr selten oder erst in
einer bereits sehr hoch entwickelten und fein aufgegliederten Industrie möglich sind. So wäre
etwa der Zusammenschluß zweier Armaturenfabriken eine Neben-Zusammenfassung, dagegen
die Angliederung einer Gießerei, obwohl kaum vermeidlich, eine Vor-Nach-Zusammensetzung.
Die Zusammengehörigkeit von Gießerei und Maschinenfabrik ist fast selbstverständlich geworden,
obwohl zahlreiche reine Graugießereien noch heute arbeiten, ganz abgesehen von den
Temper- und Metallgießereien, die bis herab zu Kleinbetrieben durch die besondere Fachkenntnis
und Erfahrung sich erhalten konnten. Die Bildung der beiden großen Elektrokonzerne
(Siemens und AEG), deren grundlegende Entwicklung schon vor dem Kriege abgeschlossen
war, ist ebenfalls ein Gemisch von Vor-Nach- und Neben-Äusweitung, wie es für
die übrige Maschinenindustrie (Borsig, Bamag) und auch die chemische Industrie kennzeichnend
war.
Reine Nehen-Zusammenschlüsse bestanden jedoch im Handels- und Bankgewerhe, so vor
allem die Waren- und Kaufhäuser sowie die großen Banken. Sie hatten sich entweder durch
Neuerrichtung gleichartiger Anstalten oder aber mehr noch durch Aufkauf oder vertragliche
Angliederung gebildet (z. B. Dresdner Bank — A. Sohaffhausen’soher Bankverein). Die
Großbetriebe der Petroleum-, Akkumulatoren-, Holzkohlen-, Gelatine-, Pinsel- und Kamera-