Full text : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

Die  organisatorische  Auswahl.

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Die  aktiven  Maßnahmen  positiver  Auslese  des  Wirtschaftsbetriebes  bis  zur
Schaffung  eines  festen  Personenkreises—seien  es  Mitarbeiter,  Lieferanten,  Kreditgeber ­
  oder  Abnehmer  —,  aus  denen  bei  Bedarf  in  geeigneter  Weise  der  bisherige
Stamm  ergänzt  werden  kann,  sind  auch  der  tiefere  Grund  für  die  Anteilnahme  an
der  Vorbildung,  der  Stärkung  des  Namens  und  Rufes  der  Firma  und  der  Ausdehnung ­
  sonstiger  Marktbeziehungen.  Auch  durch  die  Werbung  wird  zwar  eine
gewisse  natürliche  Auswahl  aller  Mitwirkenden  erzielt;  sie  bringt  eine  Scheidung
hinsichtlich  der  Eignung  insofern  mit  sich,  als  bei  den  durch  sie  angezogenen
Personen  von  vornherein  eine  gewisse  Übereinstimmung  der  Anforderungen  mit
ihren  Fähigkeiten  und  vor  allem  ihrem  Wollen  vorausgesetzt  werden  kann.  Das
gilt  sowohl  für  Verbraucher  oder  sonstige  Nutznießer  der  Betriebsleistungen  als
auch  für  die  Betriebsmitarbeiter.  Es  hat  sich  aber  gezeigt,  daß  die  tatsächliche
oder  vorgebliche  Übereinstimmung  den  Erfordernissen  des  Wirtschaftsbetriebes
in  den  wenigsten  Fällen  genügt.  Das  ist  sogar  bei  der  Feststellung  der  rein  körperlichen ­
  Voraussetzungen  der  Arbeiter  der  Fall,  obwohl  hier  die  Vorbedingungen
noch  am  günstigsten  sind.  Es  wäre  hierzu  eine  genaue  Kenntnis  der  für  bestimmte
Arbeitsleistungen  einzig  geeigneten  körperlichen  Verfassung  einmal  seitens  des
sich  Anbietenden  und  ferner  seitens  des  untersuchenden  Arztes  oder  der  sonst  auswählenden ­
  Stelle  notwendig 1 ;  bis  heute  sind  diese  Voraussetzungen  trotz  der  Vorarbeiten ­
  auf  den  Gebieten  der  Berufs-  und  Arbeitsuntersuchungen  nicht  voll  gegeben. ­

Abgesehen  von  der  volkswirtschaftlichen  Notwendigkeit,  auch  den  Mindertauglichen
  ein  Unterkommen  zu  ermöglichen,  wäre  jedoch  die  positive  Auslese
auch  für  den  Betrieb  günstig,  da  sie  ihm  gestatten  würde,  eine  bessere  Abstufung
der  Eignung  und  der  für  sie  aufzuwendenden  Kosten  vorzunehmen.  Scharfgezeichnete ­
  Berufs-  und  Arbeitsbilder  —  die  allerdings  in  praktisch  brauchbarer
Form  überhaupt  wohl  nur  von  den  Handfertigkeitsbefähigungen  entworfen  werden
können  —  sind  aber  immer  die  notwendige  Voraussetzung;  ferner  müßte  noch  eine
genügend  umfangreiche  Arbeitsleistung  und  Arbeitsbeobachtung  der  Prüflinge 1  2
hinzukommen,  die  aber  ebenso  auf  Schwierigkeiten  hinsichtlich  Zeit  und  Kosten
stößt.  Vor  allem  die  persönliche  Arbeitswilligkeit  ist  es,  die  nicht  nur  erkannt  und
danach  die  entsprechende  Person  ausgewählt,  sondern  die  auch  im  fortlaufenden
Betrieb  gepflegt  und  erhalten  werden  muß:  der  Ansatzpunkt  der  sozialen  Betriebspolitik. ­
  Hier  muß  eine  Auswahl  nach  charakterlichen  Eigenschaften  vorgenommen ­
  werden,  die  mit  psychologischen  und  graphologischen  (hin  und  wieder  sogar
in  dummer  Weise  mit  astrologischen)  Mitteln  und  Verfahren  durchgeführt  wird.
Es  leuchtet  ein,  daß  bei  diesen  Fragen  alles  auf  den  Gutachter  oder  Prüfer  ankommt; ­
  die  weitgehende  Scheu  der  Angestelltenschaft  vor  den  Schriftuntersuchungen ­
  ist  sicher  großenteils  berechtigt,  da  heute  nur  wenige  wirklich  verantwortungsvolle ­
  Graphologen  vorhanden  sind.  Die  Graphologie  sollte  daher  nur
insoweit  zur  Anwendung  kommen,  als  sie  offenbare  Betrüger  oder  sonstige  Schädlinge ­
  namhaft  machen  kann,  also  nur  zur  gröbsten,  negativen  Auswahl  mit  herangezogen, ­
  aber  niemals  als  positiv-ausschlaggebend  angesehen  werden.
Wesentlicher  für  die  Organisation  in  Wirtschaftsbetrieben  als  die  vorgenannten, ­
  der  genauen  Erfassung  weitgehend  entzogenen  positiven  Verfahren  ist  demnach ­
  die  negative  Auswahl,  die  fast  immer  das  Wesen  einer  Konkurrenzauslese
annimmt,  deren  Anwendung  jedoch  auf  allen  Gebieten  geläufig  ist,  wie  eine  nähere
Darstellung  der  einzelnen  Auswahlverfahren  zeigen  wird.  Sie  besteht  darin,  daß
alles  für  die  Zwecke  der  Durchführung  des  Wirtschaftsbetriebes  Unbrauchbare
oder  Unerwünschte  bewußt  ferngehalten  und  ausgeschaltet  wird.  Der  Organi1 ­

  RKW-Veröffentlichungen  Nr.  87,  S.  234.
2  RKW-Veröffentlichungen  Nr.  87,  S.  23S.
            
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