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Zweiundzwanzigstes Buch.
denn in der Natur der Sache, daß dieser Stockungsprozeß nach
dem Dreißigjährigen Kriege langsam aufhören mußte, da man
nun wirtschafttich neuen Mut faßte: vorausgesetzt freilich, daß
in den Städten wenigstens noch Reste jener wirtschaftlichen
Kultur vorhanden waren, aus deren Boden die Manufaktur
im 14. bis 16. Jahrhundert erblüht war.
Traf nun diese Voraussetzung zu? Waren die Vor—
bedingungen einer lebenskräftigen Manufaktur, weite Absatz⸗
möglichkeit und stärkeres Unternehmerkapital, wirklich noch
porhanden? Nur an wenigen Orten konnte man ihren Be—
stand nach jeder Richtung hin anerkennen, so sehr sich trotz
allen Unglückes Straßen und Transportverhältnisse verbessert
— —
Gedeihen der deutschen Volkswirtschaft allein abhängig war;
und im ganzen doch nur mühsam streckten sich, vor allem in⸗
folge Kapitalmangels, zunächst die einmal entwickelten Zweige
der Manufaktur vorwärts.
Am besten scheint es verhältnismäßig noch jenen zumeist
besonders alten Hausindustrien — denn fast nur um Manu—
faktur im Sinne der Hausindustrie handelte es sich einst⸗
weilen — ergangen zu sein, in denen sich ursprünglich Heim—⸗
arbeiter und hausierende Vertreiber oder wenigstens nur wenig
kapitalreiche kaufmännische Verleger gegenüberstanden: in
solchen Industrien war eine gewisse Blüte auch nach dem Falle
des deutschen Aktivhandels gewährleistet, da doch der Absatz
für sie in besonderer Weise organisiert war; auch bedurfte
es in diesem Falle bei der großen Anzahl der Vertreiber für
jeden einzelnen nur geringen Kapitalbesitzes. um das Gewerbe
aufrecht zu halten.
Daher sehen wir im 17. und 18. Jahrhundert vor allem
jene Manufakturen von neuem gedeihen und weiter empor—
kommen, die fern von den großen Städten zumeist in minder
ergiebigen Mittelgebirgsgegenden seit alters eigenständig ent—
wickelt waren, und von denen man in früherer Zeit neben
der geräuschvolleren Kunde über die städtischen Schwester⸗
entwicklungen nur wenig gehört hatte. Ihre Blüte spricht sich