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VITI. Socialistische Zukunftsbilder.
„ der Menschbeit zur höchsten sittlichen Vollkommenheit, indem
„sie die Verbannung des Egoismus bewirkt und dadurch
„alle Kämpfe, Verbrechen und Unterdrückungen verbannt, um
„Harmonie, Sittlichkeit und Gemeinsamkeit zu begründen.
„So haben wir das erhabenste Ziel vor unsern Augen,
„wenn wir für den Triumph der socialistischen Dreieinigkeit,
„der Freiheit und Gleichheit, vollendet durch die Brüderlich-"
„seit, in die Schranken treten. In diesem Zeichen wollen und
„werden wir siegen!" (1873, 103).
Gewiß ein richtiger Gedanke, dem wir vollständig bei
stimmen, die Liebe zum Ouellpunkt der sittlichen Entwicke
lung zu machen. Aber die Hoffnung, ans den, rein äußer
lichen Weg der Aenderung der gesellschaftlichen Ordnung der
Liebe zur Herrschaft über alle Menschen zu verhelfen und
daniit ollen Verbrechen ein Ende setzen zu können, das ist
für Jeden eine schwärmerische Utopie, der die wahre Menschen-
natur kennt und nicht mit der Social-Demokratie in beni
Wahn befangen ist, daß der Mensch für nichts, die Ver
hältnisse für Alles verantwortlich gemacht werden müßten.
Es ist keine geringe Selbstüberschätzung, die gerade wieder
in der verkehrten Ansicht von der natürlichen Vortrefflichkeir
des Menschen ihren Grund hat, wenn der „N. Soc.-Demo-
krat" kühn behauptet: „Prediger und Humanisten schaffen
„beim besten Willen die Verbrechen nicht aus der Welt —
„diesen Augiasstall auszuräumen, dazu gehört eine größere
„Kraft — die Macht des Socialismus" (1873, 54). Einer
solchen Vermessenheit sind wir bis jetzt weder bei einem Pre
diger noch bei einem Hnmanisten begegnet; sie bleibt ein aus
schließliches Privilegium der Social-Demokratie. Prediger und
Hnmanisten kämpfen wohl gegen das Verbrechen und kennen
auch die Mittel, die Jeden, der von ihnen Gebrauch machen
will, vor der Berbrecherlanfbahn bewahren; aber alle Ver