Die Rechnung.
211
14*
werden. Trotzdem ist zu beachten, daß die Betriebsbuchhaltung den Anschluß
an die eigentliche Buchhaltung, an die Geldrechnung der doppelten Buchhaltung,
beibehält.
Der Vervollkommnung der doppelten Buchhaltung im Sinne einer Annäherung an die
Wirtschaftlichkeitsrechnung dient inshesondere der Versuch, die sog. gemischten Bestands
konten in reine Bestandskonten und reine Gewinn- und Verlustkonten aufzulösen. Wenn ein
Handelsbetrieb die bezogenen Waren mit den Bezugsspesen dem Warenkonto belastet und die
Verkäufe diesem Konto zum Verkaufspreis gutschreibt, so werden zugleich die Gewinne und
Verluste auf diesem Konto verrechnet, enthält also ein solches Warenkonto nicht mehr den
Bestand an Waren, ausgedrückt zum Bezugspreis, sondern dieser Wert erscheint um die Ge
winne, die im Verkaufspreis enthalten sind, gekürzt und um die Verluste, die beim Verkauf
entstanden sind, vermehrt. Die Auflösung der gemischten Bestandskonten geht so vor sich,
daß die Verkäufe (oder sonstigen Ausgänge, wie Rücksendungen) zum Bezugspreis dem Waren
konto gutgeschrieben und gleichzeitig einem Zwischenkonto: Warenverkaufskonto belastet
werden. Diesem Konto werden dann die Verkäufe zum Verkaufspreis gutgeschrieben, so daß
hier der reine Gewinn oder Verlust erscheint, während das eigentliche Warenkonto nur noch
die Bestände an Waren zum Bezugspreis enthält. Wenn jetzt neben dem Warenkonto (des
Hauptbuches) ein (mengenmäßiges) Warenskontro geführt wird und im letzteren in gleicher
Weise die Eingänge und Ausgänge zum Bezugspreis vermerkt werden, dann ist nicht nur eine
wirksame Kontrolle gegeben, sondern zugleich eine jederzeitige Feststellung des Bestandes an
Waren nach Menge und Wert möglich. Natürlich setzt diese Auflösung der gemischten Be
standskonten die genaue Kenntnis der jeweiligen Bezugspreise für die einzelne Warenmenge
oder die behelfsmäßige Verwendung von geschätzten Verrechnungspreisen voraus, eine Not
wendigkeit, die in vielen Fällen (und vielleicht gerade dort, wo es am wünschenswertesten
wäre) unüberwindliche oder kostspielige Schwierigkeiten verursacht und dadurch die Trennung
der Konten unmöglich macht.
In der Buchhaltung des Industriebetriebes spielt das Fabrikationskonto die
entscheidende Rolle. Die Bedeutung liegt darin, daß sich auf diesem Konto der
Werdegang des Gutes vom Roh- und Hilfsstoff (mit allen sonstigen Aufwendun
gen) bis zum Fertiger zeugnis widerspiegelt und das mit Rücksicht auf die Vielgestal
tung der Erzeugnisse und der häufig umständlichen Herstellungsverfahren eine
besondere Ausgestaltung erfährt und erfahren muß, wenn man den Ein- und
Überblick über die Fertigung und was damit zusammenhängt nicht verlieren will.
Wie die Industriebetriebe unendlich verschieden sind (nach Größe, Art der Er
zeugnisse, Herstellungsverfahren), so mannigfaltig sind auch die Gestaltungen der
industriellen Buchhaltung, insbesondere mit Rücksicht auf das Fabrikationskonto.
Im folgenden sollen nur ein paar Hauptgestaltungen gekennzeichnet werden, vor
nehmlich zu dem Zweck, um die grundsätzliche Handhabung zu erkennen und zu
ermessen, inwieweit die Einrichtungen der Gewährleistung der Wirtschaftlichkeit
zu dienen bestimmt sind.
Die Betriebsbuchhaltung will den Herstellungsgang der Erzeugnisse erfassen
und diesen in allen Einzelheiten sowie nach Menge und Wert kenntlich machen.
Einer solchen Betriebsbuchhaltung wird dann der Rest der sonstigen — allge
meinen — Buchhaltung als kaufmännische Buchhaltung gegenübergestellt. Doch
ist die Grenzziehung zwischen beiden Teilen flüssig; sie hängt nicht nur von der
besonderen Gestaltung des Betriebes, sondern auch von der Bedeutung ab, die
man dem Rechnungswesen in den einzelnen Betrieben beilegt.
Als die unterste Stufe der Betriehsbuchhaltung kann man den Fall ansehen, daß ein ein
heitliches Fabrikationskonto in der kaufmännischen Buchhaltung geführt wird und die Auf
spaltung der Einzelheiten daneben in Form von Listen, Übersichten und Statistiken erfolgt.
Wir wollen schon hier bemerken, daß sich die Aufteilung des Fabrikationskontos in der Regel
auf die folgenden Bereiche erstreckt: 1. Material (Roh- und Hilfsstoffe), 2. Löhne, 3. Be
triebsunkosten und 4. Fertigfabrikate. Dann wird der Eingang von Roh- und Hilfsstoffen
dem Materialkonto belastet und die Abgabe der Stoffe in die Erzeugung (Betrieb) diesem
Konto gutgeschrieben und dem Fahrikatekonto belastet (zu welchen Werten das geschieht,
wollen wir weiter unten besprechen). Das Materialkonto enthält die Bestände an Roh- und
Hilfsstoffen; es wird ein Teil der Lagerbuchhaltung, die daneben in Skontren die Mengenreoh-
nung nach einer mehr oder weniger ausgiebigen Aufgliederung der betreffenden Stoffe durch