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Italien. Textilindustrie.
In diesen Betrieben waren 17637 Arbeiter (10 631 weibliche und 7006 männ
liche) beschäftigt.
Die Streich- und Kammgarnspinnereien Italiens haben eine durchschnitt
liche Jahresproduktion von etwa 150 000t Garne, der nur ein Verbrauch von
etwa 40 000 t gegenübersteht. Da die inländischen Spinnereien hauptsächlich
gröbere und mittlere Garne herstellen, so wird der Bedarf an feineren und
feinsten Nummern aus dem Auslande gedeckt.
Für die Webereien liegen genaue Angaben über die Produktion nicht vor.
Es werden meistens leichte Frauenkleiderstoffe, Herrenkonfektionsstoffe, Militär
tuche, Schale und Bettdecken hergestellt.
Seidenindustrie. Die Seidenraupenzucht wie auch die Seidenindustrie sind
ein wichtiger Faktor in der italienischen Textilindustrie, jedoch zeigt die Pro
duktion an Kokons, wie auf S. 244 erwähnt, einen jährlichen Rückgang, weil die
Konkurrenz Japans sich stark fühlbar macht. In Japan hat sich die Kokons
produktion in den letzten 25 Jahren verzehnfacht, während sie in gleicher Zeit
in Italien eher zurück gegangen ist. Dieser Ausfall wird allerdings dadurch
wettgemacht, daß die Spinnereien erhebliche Mengen Kokons aus dem Auslande
einführen.
Die Kokonsproduktion Italiens belief sich im Jahre 1912 auf 4.7470 t gegen
einen Durchschnittsertrag von 50790 t der Jahre 1906 bis 1911. Der Haupt
produzent ist die Lombardei, die mit 18410 t an der Kokonsproduktion beteiligt
ist. Es schließen sich an: Venetien mit 11750t, Piemont und Ligurien mit
zusammen 8 2601, Emilien mit 2 9001, die Marken und Umbrien mit 1 9501,
Toscana und Latium mit 2260 t und Süditalien mit Inseln mit 1940 t.
Der Ertrag an Rohseide betrug 4105 t; für 1kg Rohseide waren also
11,4kg Kokons nötig gegen 11,85kg im Jahre 1911.
Die Filanden (Abhaspelanstalten), Spinnereien und Webereien haben eben
falls ihren Hauptsitz in der Lombardei, wo Como mit seinen 136 Filanden und
10 020 Becken, 177 Spinnereien mit einer Gesamtzahl von 295 719 Spindeln und
73 Webereien mit 10246 Webstühlen eine Vorrangstellung einnimmt.
Die italienische Seidenweberei hatte im Jahre 1912 rund 14100 mechanische
und 4500 Handwebstühle im Betrieb und beschäftigte etwa 39 000 Arbeiter, in der
Mehrzahl Frauen und Mädchen. Die Produktion belief sich auf 1,4 Mill.kg Gewebe.
Leinen- und Hanfindustrie. Mailand ist der Sitz der bedeutendsten Unter
nehmungen der meist miteinander eng verbundenen Leinen- und Hanfindustrie.
Nach der Industriezählung 1911 waren in der Lombardei vorhanden:
in der Leinenindustrie: 3 Spinnereien und 58 Webereien mit zusammen 4176 Arbeitern,
„ „ Hanfindustrie: 46 Spinnereien und Seilereien und 3 Webereien mit zus. 336 Arbeitern.
Ligurien hat ebenfalls eine nicht unbedeutende Leinen- und Planfindustrie.
Für die Hanfverarbeitung bestehen 28 Betriebe mit 612 Arbeitern (meist Sei
lereien), die ihren Absatz bei den italienischen Schiffsunternehmungen haben.
Venetien, hauptsächlich aber Emilien, kommen für den.Hanfbau in Betracht.
Die Hauptaufgabe der hier bestehenden Betriebe ist das Brechen des Hanfes.