Die Vergleichung.
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winn noch ein erheblicher Mangel an. Er läßt nicht erkennen, in welcher Weise
der Mensch im Betriebe in die Betriebspolitik eingesetzt worden ist, unter
welchen Umständen der Mensch seine Arbeit verrichtet, ob und in welchem
Umfange der Mensch die Verausgabung seiner Kraft wieder zu ersetzen in der
Lage ist, wie die seelische Haltung des Menschen zu seiner Arbeit ist und ge
pflegt wird. Heute wird dem Arbeitsethos die gebührende Aufmerksamkeit
geschenkt; Aufklärung, Erziehung und Taten der Arbeitsfront sorgen für eine
Sicherstellung dieser menschlichen Erfordernisse in der Betriebspolitik. Wenn
eines Tages die in diesem Sinne geforderte betriebliche Sozialpolitik zum selbst
verständlichen Gemeingut aller Betriebe geworden ist, dann wird auch der Geld
gewinn wieder mehr zum Maßstab der Rentabilität und der Wirtschaftlichkeit
werden. Bis dahin darf man aber nicht müde werden, auf seine Bedingtheit auf
merksam zu machen.
Diese Beurteilung gilt grundsätzlich auch für Branohen-Kennziffern, die aus
den Kennziffern der einzelnen Betriebe errechnet werden und die gerade für Be
triebsvergleiche geschaffen worden sind. Aus der Natur der Branchenziffer als
Durohschnittsziffer aus guten und schlechten Betrieben folgt, daß die Kennziffer
dauernd verändert wird, ferner daß der einzelne Betrieb zwar seine Lage im großen
und ganzen erkennt, aber über die Angriffspunkte für Verbesserungen nach wie
vor im unklaren bleibt, da alle innerbetrieblichen Kennziffern eines Wirtschafts
betriebes in einer bestimmten Zuordnung stehen, aus der letzten Endes die
Rentabilität hervorgeht. Die Branchen-Kennziffer kann somit auch nicht mehr
aussagen, als ein Vergleich der Rentabilität. (Diese beschränkte Brauchbarkeit
der Kennziffer für Betriebsvergleiche tut ihrer Eignung für Innenvergleiche keinen
Abbruch.)
Die Ausführungen haben die Bedingtheiten und Mängel des Betriebsvergleichs
hervorgehoben. Sie sind geschrieben, um vor einer Überschätzung zu warnen.
In jedem Falle behält ein zwischenbetrieblicher Wirtschaftlichkeitsvergleich
seinen Wert als roher Anhaltspunkt für die Situationsschätzung und kann bei
relativ gleichartigen Betrieben und gleichgelagerten Verhältnissen brauchbare
Anhaltspunkte geben.
Unter diesen Gesichtspunkten sind endlich die Bestrebungen zur Förderung der Betriebs
vergleiche zu würdigen. Die Hauptschwierigkeiten der Durchführung von Betriebsvergleichen
liegt in der uneinheitlichen Erfassung der Unterlagen sowie in der Furcht der Betriebe vor
Offenlegung von Geschäftsgeheimnissen. Der letzteren Schwierigkeit versuchen die gewerb
lichen Organisationen durch Werbung und Aufklärung bei ihren Mitgliedern sowie durch
streng geheime Verarbeitung und Bekanntgabe nur von Branchen-Kennziffern entgegen
zutreten. Darüber hinaus werden von den Verbänden starke Anstrengungen zur Vereinheit
lichung des Rechnungswesens (in Buchhaltung, kurzfristiger Erfolgsrechnung und Statistik)
gemacht. Es sei nur an den Kontenrahmen und die Einheitsbuchführungen des RKW
(Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit), die Normal-Kontenpläne des ehemaligen VDMA
(Verein deutscher Maschinenbauanstalten) und die Kostenrechnungsschemata anderer Ver
bände erinnert (Gießereien, Druckereien usw.).
In der Regel werden die Betriebsvergleiche anschließend an die Untersuchung der gesamten
Branche von den Verbänden durchgeführt. Die angeschlossenen Betriebe stellen monatlich
normierte Betriebsabrechnungsbogen aus, die von den Verbänden ausgewertet und zu
Branohenkennziffern verarbeitet werden, die den Mitgliedern übermittelt werden. Auf ähn
licher Grundlage arbeitet die Forschungsstelle für den Handel für das gesamte Handels
gewerbe. Zu erwähnen ist auch der Betriebsvergleich im Vertriebswesen: verschiedene Auto
fabriken haben für ihre (selbständigen) Händler eine Händlerbuchführung geschaffen und
ermitteln daraus mit Hilfe von Abrechnungsbogen monatlich Durchschnittsziffern, die den
Händlern als Riohtfaden mitgeteilt werden.
Bei solchen Einheitsabrechnungen besteht jedoch in verstärktem Maße die Gefahr, daß
Sonderheiten der einzelnen Betriebe außer acht und unberücksichtigt gelassen werden, und daß
eine einheitliche Behandlung letzten Endes doch nicht zu dem gewünschten Ziel: Erhöhung
der Wirtschaftlichkeit, führen kann.
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