Full text : Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

18

Die  Grundlagen.

Vor  allem  muß  den  Betriebsteilen  selbst  jede  Mehrarbeit  nach  Möglichkeit  erspart  bleiben;
meist  wird  daher  das  gesamte  Vordruckwesen  von  vornherein  den  statistischen  Zwecken  angepaßt ­
  werden  müssen,  wobei  die  Erfassung  der  Zahlen  selbst  zentral  oder  örtlich  verteilt  bei
den  einzelnen  Betriebsteilen  geschehen  kann.  Es  ist  notwendig,  daß  die  statistischen  Ergebnisse ­
  —  sofern  sie  wertvoll  sein  sollen  —  kurzfristig  fertiggestellt  werden:  zum  Monats-  oder
Wochenende,  zu  bestimmten  Terminen,  Sitzungen  u.  ä.  müssen  die  Ziffern  vorliegen,  was  regelmäßig ­
  beim  Herannahen  dieser  Zeitpunkte  ein  Zusammendrängen  der  Zahlenleistungen  zur
Folge  hat  und  eine  genaue  Zeiteinteilung  und  Vorbereitung  der  Arbeit  notwendig  macht,  wobei
gut  eingerichtete  Registraturen  und  Terminbeobachtung  Vorbedingung  sind.
Aufmerksame  und  gewissenhafte  Kleinarbeit  sowie  Schreib-  und  Rechengewandtheit,
vielleicht  auch  etwas  Zeichen-  und  Einteilungsvermögen  werden  im  statistischen  Büro  gebraucht, ­
  weshalb  sich  weibliche  Kräfte  besonders  für  diese  Arbeit  zu  eignen  scheinen.
Naturgemäß  ist  die  Statistik  beim  Großbetrieb  wichtiger  als  beim  Mittel-  und  Kleinbetrieb, ­
  obwohl  auch  dieser  nicht  gern  auf  ein  paar  Zusammenstellungen  der  wichtigsten
Zahlen  verzichtet,  wobei  ihm  jedoch  fast  nie  der  Gedanke  kommt,  daß  er  „Statistik“  treibt.
Für  den  Großbetrieb  ist  eine  gut  ausgebaute  Statistik  heute  fast  unentbehrlich,  da  die  vielfältigen ­
  äußeren  und  inneren  Vorgänge  des  Betriebes  sonst  völlig  unübersehbar  wären.
c)  Das  dritte  Gebiet  der  kaufmännischen  Nebenarbeit  stellt  der  Zahlungsund ­
  Kreditverkehr  dar.
Da  früher  fast  jeder  Handel  zugleich  Großhandel  war,  dem  nicht  nur  der  Transport  der
Ware,  sondern  auch  die  Leistung  der  Zahlungen  in  fremden  Währungen  oblag,  haben  sich  bald
als  Hilfseinrichtungen  die  Wechselstellen,  Messen  und  Börsen  gebildet.  Kenntnis  des  fremden
Münzwesens  und  der  Handels-  und  Zahlungsgebräuohe  war  vor  allem  nötig,  um  den  Zahlungsverkehr ­
  zu  pflegen,  während  der  innere  Geldverkehr  dagegen  zurüoktrat.  Der  Geldverkehr
war  das  ureigene  Gebiet  des  Kaufmanns  selbst;  nur  der  Zahlmeister,  der  im  Aufträge  des
Chefs  bestimmte  Weisungen  ausführte,  bestand  daneben.  Heute  ist  jedoch  die  Übersicht  über
die  Geldmittel  und  die  Pflege  des  Geld-  und  Kreditverkehrs  zu  einer  wichtigen  Hilfsaufgabe
des  Kaufmanns  geworden.  Nur  noch  die  ganz  großen  Entscheidungen  sind  dem  Leiter  Vorbehalten: ­
  ob  eigenes  oder  fremdes  Geld  benutzt  werden  soll  und  kann  und  in  welcher  Form
und  Höhe,  wo  und  zu  welchen  Bedingungen  Geld  aufgenommen  oder  Kredit  gewährt  werden
soll  u.  ä.  Daneben  aber  ist  die  Durchführung  des  eigentlichen  Zahlungs-  und  Kreditverkehrs
zu  einer  zwar  umfangreichen  und  große  Sorgfalt  erfordernden,  aber  im  ganzen  doch  untergeordneten ­
  Tätigkeit  geworden:  der  Zahlmeister  hat  seine  Befugnisse  und  Arbeitsgebiete
erweitert.  Die  Durchführung  der  einzelnen  Zahlungsvorgänge  geht  nur  noch  zum  kleinen
Teil  durch  Barzahlung  vor  sich;  im  wesentlichen  sind  es  nur  noch  die  Löhne  und  Gehälter  und
sonstige  kleinere  Beträge,  die  bar  ausgezahlt  werden.
Gewöhnlich  tritt  der  Überweisungsverkehr  in  Kraft,  der  meist  ein  Ausfüllen  von  Vordrucken
unter  Beachtung  der  von  der  Kassenleitung  erlassenen  Bestimmungen  ist  und  somit  von  untergeordneten ­
  und  wenig  vorgebildeten  Personen  erledigt  werden  kann.  Gewissenhaftigkeit,
peinliche  Sorgfalt  und  Ehrlichkeit  sind  die  Haupterfordernisse  der  mit  dem  Zahlungsverkehr
betrauten  Hilfsarbeiter.  Nur  für  die  Leitung  des  Geldverkehrs  ist  noch  organisatorisches  Verständnis ­
  in  hohem  Maße  notwendig  sowie  die  Übersicht  über  die  Zahlungsfähigkeit,  welche  das
A  und  O  jeglicher  Kassenführung  ist.  Ihre  Erhaltung  erfordert  im  einzelnen  großes  Geschick
in  der  Abwägung  und  Beobachtung  der  einzelnen  Zahlungsformen,  in  der  Beurteilung  der
Schuldner  und  Gläubiger  und  auch  der  Möglichkeiten  einer  etwaigen  Verflüssigung  fester  Vermögensteile. ­
  Doch  ist,  wie  schon  bemerkt,  für  den  Zahlungsverkehr  selbst  mehr  das  Vordruckwesen ­
  bedeutsam.
d)  Insbesondere  in  den  Großbetrieben  treten  neue  Nebenarbeiten  auf;  die  Organisation ­
  und  die  Verwaltung.
Unter  Organisation  soll  hier  die  Einrichtung  und  Ausgestaltung  der  betrieblichen  Arbeit ­
  nach  dem  Grundsatz  der  Wirtschaftlichkeit  verstanden  werden.  Die  organisatorische  Arbeit ­
  ist  fast  ausschließlich  geistiger  Art:  es  handelt  sich  um  die  Überlegungen,  welche  Einrichtungen ­
  und  Verfahren  im  Betriebe  Anwendung  finden  müssen,  um  einen  wirtschaftlichen  und
reibungslosen  Ablauf  der  Gesamtarbeit  zu  gewährleisten.
Es  sind  also  die  Mitarbeiter,  die  Maschinen  und  sonstigen  Betriebseinrichtungen  nach  ihren
für  den  Betriebsablauf  günstigsten  Eigenschaften  auszuwählen  und  die  schädlichen  Einflüsse
auszuschalten,  ferner  Ordnung  in  die  Vielfalt  der  betrieblichen  Mittel  und  Arbeitsweisen  zu
bringen,  eine  genaue  Zeit-  und  Ortseinteilung  vorzunehmen,  bestimmte  Geschäfts-  und  Arbeitsanweisungen
  zu  erlassen,  Vordrucke  für  die  auszuführenden  Schreib-  und  Rechenarbeiten
zu  entwerfen,  Arbeitsvorgänge  zu  unterteilen  und  zu  häufen,  um  sie  wirtschaftlicher  vornehmen
zu  können,  die  für  eine  bessere,  billigere  oder  schnelle  Arbeitsweise  notwendigen  mechanischen
Verfahren  und  Apparate  zu  prüfen  u.  ä.  Endlich  gehört  zum  Bereich  der  organisatorischen
Arbeit  als  Nebenarbeit  für  die  eigentliche  kaufmännische  Tätigkeit  auch  die  Zusammenfassung
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.