Die Stoffe und Kräfte.
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gebildet werden; vielleicht können sie trotzdem der Maschine nicht ihre volle Leistungsfähig
keit abgewinnen, da deren Bedienung und restlose Beherrschung Fähigkeiten erfordert, die
die eines durchschnittlichen Mitarbeiters übersteigen.
Auch in niohtindustriellen Betrieben, in Warenhäusern, Banken und großen Verwaltungs
gebäuden sind oft Maschinenanlagen für Transporte von Menschen und Gütern (Fahrstühle,
Rolltreppen, Rohrposten, Transportbänder), für Beleuchtung, Belüftung, Beheizung u. a.
anzuschaffen. Neben der Zweckmäßigkeit der technischen Anlage als solcher, ihrer Leistung,
ihren Anschaffungs- und Betriebskosten stehen hier eigentlich mehr andere Erfordernisse im
Vordergrund: die Schnelligkeit und Reibungslosigkeit des Verkehrs, die Zweckmäßigkeit der
Beleuchtung im Hinblick auf Arbeitsfähigkeit, Aussehen der Ware oder Werbekraft für die
Besucher. Dies entspricht ganz der Stellung, die diese Maschinen in den oben angeführten
Wirtsohaftsbetrieben haben: sie stehen hier nicht im Mittelpunkt wie bei den Industriebetrie
ben, sondern sie treten nur ergänzend hinzu, sie sollen die Hauptarbeit, die dort geleistet wird,
wirksam unterstützen und erfolgreicher gestalten.
Wenn auch für diese Fragen der Versorgung der Wirtschaftsbetriebe mit Werk
zeugen und Maschinen sicherlich in erster Linie der Techniker zuständig ist, der
die Konstruktion der Werkzeuge und Maschinen kennt und daher auch ihre Lei
stungsfähigkeit am ehesten beurteilen kann, so muß doch auch der Wirtschafter
selbst einiges von diesen Dingen verstehen, da er ja das Kapital auf bringen und
dieses Kapital der kapitalistischen Grundrechnung zugrunde legen muß. Hier ist
eine von den vielen Stellen, wo sich Wirtschaft und Technik gegenseitig im Be
triebe durchdringen und es auf den richtigen Zusammenklang ankommt, wenn
Fehlentscheidungen und Störungen vermieden werden sollen. Dieses Buch, das
von der kaufmännischen Seite des Betriebes handelt, kann auf die technischen
Dinge nicht in der Ausführlichkeit eingehen wie sie erforderlich sind, wenn in der
Praxis die wichtigen Fragen nach der Gestaltung, Beschaffenheit, Beschaffung und
Anordnung der sachlichen Hilfsmittel entschieden werden sollen. Wenn daher im
nachfolgenden eine kurze (und nicht vollständige) Übersicht über die Stoffe und
Kräfte gegeben wird, so geschieht das nur zu dem Zwecke, dem Leser (als Wirt
schafter) einen Einblick in das umfangreiche und mannigfaltige Gebiet der Tech
nik zu verschaffen, soweit es sich eben um die Stoffe und Kräfte handelt, die den
Wirtschaftsbetrieben zur Erreichung ihres Zweckes: der Leistung zur Verfügung
stehen.
2. Die Stoffe. Die Entwicklung der Technik hat es mit sich gebracht, daß heute eine Fülle
verschiedener Stoffe für den gleichen oder ähnlichen Zweck zur Verfügung stehen. Wer sich
heute entschließt, dem Verbrauch ein bestimmtes Gut zur Verfügung zu stellen, muß sehr
genau über die verschiedenen Möglichkeiten der Erstellung unterrichtet sein. In früheren
Jahren war es wesentlich einfacher, sich auf dem Gebiete der Herstellung wirtschaftlicher
Güter zu betätigen. Ob ein Schiff oder ein Wagen gebaut, ein Haus oder eine Brücke erstellt
werden sollte, ein Gefäß, ein Werkzeug oder gar ein Apparat für irgendeinen Zweck not
wendig war, immer griff man auf das Holz als Baustoff zurück und benutzte es gleichzeitig
als Brennstoff für das im wesentlichen einzige, außer dem einfachen Schlag oder Druck be
kannte technische Hilfsverfahren der mechanischen Herstellung: die Erhitzung.
Mit der Kenntnis der Holzsorten — Bau-, Nutz- und Brennholz — ihrer Vor- und Nach
behandlung und ihren Gefügeeigenschaften — Härte, Haltbarkeit, Biegefähigkeit — war
häufig die Stoffkenntnis der früheren Fabrikanten erschöpft. Daneben spielten der Stein und
die in recht einfacher Weise erschmolzenen Metalle eine Bolle; reichten die Härte- oder Dauer
eigenschaften des Holzes nicht aus, so griff man zu Stein und zum Metall als Notbehelf. Auf
diese Weise gelangte man ja letztlich zu den künstlich hergestellten oder zum mindesten nach
Bedarf umgestofften (wie es Woldt nennt) Naturerzeugnissen. Das Holz muß großenteils ver
wendet werden, wie die Natur es darbietet, und lange Zeit blieb dem Menschen im wesentlichen
nichts anderes übrig, als je nach dem beabsichtigten Zweck ein härteres oder weicheres, ein
biegsameres oder sprödes, ein gröberes oder feineres Holz zu suchen.
Im Handel ist das Holz als Rundholz,Balken-, Kant- und Halbholz, als Bretter- und Boh
lenware; die neuen Bestrebungen gehen dahin, zu einheitlichen Abmessungen zu gelangen.
Daneben aber gehen die Bestrebungen, die natürlichen Eigenschaften des Holzes so zu verän
dern, daß es jeweils allseitiger oder für besondere Zwecke verwendbar wird. Diese natürlichen
Eigenschaften des Holzes, wie das Schwinden bei der Austrocknung, die Fäulnis, die Brenn
barkeit werden mit mehr oder minder großem Erfolg für die verschiedenen Verwendungs
bereiche zu beheben versucht. Durch künstliche Nachtrocknung und neuartige, wasserfeste