Full text: Der Wirtschaftsbetrieb als Betrieb (Arbeit)

Der Standort. 
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ein Absatz an diesem oder jenem Ort nicht zustande, weil die Bezugskosten zu 
hoch sind. 
Um so mehr rückt die Frage der Bezugskosten in den Vordergrund, wenn der 
Absatz über den engsten Umkreis hinausgeht und für ein größeres Wirtschafts 
gebiet, für die ganze Volkswirtschaft oder für die Weltwirtschaft bestimmt ist. 
Dann zieht der Rohstoff die Betriebe umso mehr zu sich heran, je weniger Arbeits 
kosten für das Fertigerzeugnis erforderlich sind und je mehr sich — nach Gewicht 
oder Umfang — die Transportkosten für den Rohstoff erhöhen (Eisen- und Stahl 
erzeugung in der Nähe der Kohlengruben). Je hochwertiger das Erzeugnis und 
je geringer die Transportkosten der Rohstoffe im Verhältnis zu dem Wert des 
Fertigerzeugnisses sind, um so unabhängiger ist der Standort von dem Bezüge 
der geringwertigen oder weniger umfangreichen Roh- und Hilfsstoffe, um so mehr 
können andere Überlegungen für die Wahl des Standortes Platz greifen (Lo- 
komotivfabriken in Bayern). 
Doch ist gerade bei den Bezugs- und Absatzkosten zu berücksichtigen, daß sie keine 
starren Größen sind, vielmehr durch ■— nicht voraussehbare — Ereignisse leicht verändert 
werden können- Dann verschieben sich die Grundlagen des Standortes in entsprechender 
Weise: nach der günstigen oder ungünstigen Seite, je nachdem die Wettbewerbsverhältnisse 
sich gestalten. Solche Ereignisse können sein: Verbesserung der Verfahren bei Ausbeutung der 
Rohstoffe (Erze), Aufkommen neuer Verfahren und Maschinen (Eismaschinen für Brauereien), 
Einströmen billiger ausländischer Rohstoffe (Ölmühlen), insbesondere die Änderung der 
Transportkosten (Einführung des Staffeltarifs bei der Reichsbahn). In jüngster Zeit ruft die 
Entwicklung des Autoverkehrs (Autobahnen, Dieselmotor, Fernlastverkehr) große Verände 
rungen in den Standortsbedingungen der Industriebetriebe hervor. 
Der dritte Bestimmungsgrund ist die Mitwirkung der menschlichen Arbeits 
kräfte. Er äußert sich in verschiedener Weise: mengenmäßig, wenn die Arbeits 
kosten (Löhne) einen großen Anteil an den fertiggestellten Gütern haben (Vor 
handensein menschlicher Arbeitskräfte, Entstehung von Industriestädten, Ver 
wendung weiblicher Arbeitskräfte); gütemäßig, wenn es sich um Arbeiten beson 
derer Art oder um hochwertige Arbeiten handelt, die nur in langer Gewöhnung und 
Überlieferung geleistet werden können (Schleifereien,Drahtziehereien, Glasfabriken, 
die von den entsprechenden Arbeitern abhängig sind). Endlich in finanzieller 
Beziehung: ob hohe oder niedrige Löhne (Stadt oder Land, Männer- oder Frauen 
arbeit). Die Ausbildung der Lohn- und Gehaltstarife (vgl. B II) wirkt einem 
Einfluß dieses Bestimmungsgrundes entgegen, wenn auch noch nicht jeder Unter 
schied in der Gestaltung der Löhne aufgehoben ist (Heimarbeit in der Textil- und 
Hol zbear beitungsindustrie). 
Die Mitwirkung der Beschaffung der menschlichen Arbeitskräfte bei der Standortsbildung 
macht sich — im ganzen gesehen — so bemerkbar, daß die Fertigindustriebetriebe mehr und 
mehr nach den Großstädten wandern, während umgekehrt die durch Rohstoffe, Absatz und 
Kraft (vgl. unten) gebundenen Industriebetriebe mehr die menschlichen Arbeitskräfte an sich 
ziehen. Diese Bewegungen, insbesondere die ersteren, werden gehemmt oder verhindert, wenn 
es einem leistungsfähigen, eingesessenen Arbeiterstamm gelingt, die Betriebe trotz sonst un 
günstiger Umstände örtlich zu fesseln. So sind die Kleineisenindustrie in Solingen und Iser 
lohn, die Spielwarenindustrie Thüringens, die Gold- und Schmuckwarenindustrie in Pforzheim 
und Hanau, die Lederindustrie in Offenbaoh und vor allem die Schwarzwälder Uhrenindustrie 
auch heute noch vorwiegend arbeitsorientierte (gütemäßig) Industriebetriebe, wie überhaupt 
die menschlichen Arbeitskräfte immer noch einen starken Einfluß auf die Standortsbildung 
ausüben (Feststellung des Enquete-Ausschusses) trotz der stark vorgetriebenen Mechani 
sierung und Rationalisierung der Betriebsarbeit. 
Absatz, Stoffe und Menschen bestimmen in erster Linie den Standort indu 
strieller Betriebe. Sie bilden die sog. Standortsfigur, innerhalb der sich der ver 
hältnismäßig günstigste Standort befindet. Der Idealfall ist gegeben, wenn alle 
drei Bestimmungsgründe am gleichen Ort vorhanden sind oder sich in einem 
bestimmten Umkreis verwirklichen lassen (Beispiel: rheinisch-westfälisches Indu
	        
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