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Es kann mir erwidert werden, daß die angeblich ungleichmäßige
Verteilung nicht nur durch die Kapitalisten, sondern auch durch die
besser situierten Bürger verursacht werde, und daß infolgedessen mein
Beispiel nicht stimme. Hier mag zunächst festgestellt werden, daß
ein konimunistischer Staat außer den Großführern an Stelle der Groß
kapitalisten auch Mittel- und Kleinführer an Stelle der Kleinkapitalisten
und Bürger benötigen dürfte, und diese werden sicher bei der Ver
teilung ebenfalls eine bessere Behandlung beanspruchen. Abgesehen
hiervon sehen wir aber, daß der Haß der großen Massen sich
wesentlich nur gegen die größeren Kapitalisten richtet, wie das z. B.
durch die Forderung nach Sozialisierung der großen Betriebe bewiesen
wird. Es ist das auch erklärlich, denn mit dem besser situierten
Bürgertum ist der Arbeiter in zu vielen Fällen verschwägert und
versippt, und die Hoffnung, daß er oder doch wenigstens seine Kinder
durch Glück oder Tüchtigkeit in diese Gesellschaftsklasse aufsteigen
könnten, ist viel zu stark und naheliegend, um einen wirklichen Haß
gegen den Bürger aufkommen zu lassen.
Sehr zugunsten des Kapitalismus spricht seine Neigung, nur
einen Teil seiner Gewinne für den persönlichen Bedarf
auszugeben. Ein Kapitalist, der nicht weiter spart, sondern alle
Gewinne und womöglich noch einen Teil seines Kapitals verzehrt,
hört bald auf, Kapitalist zu sein. Wenn aber jemand in einem Jahre
1 000 000 Mark verdient, hiervon 100 000 Mark für seinen eigenen
Bedarf an vergänglichen Gütern ausgibt, dagegen 900 000 Mark
in Neuanlagen, Maschinen usw. hineinsteckt, so handelt er hiermit
ganz außerordentlich im Interesse der gesamten Volkswirtschaft, denn
diese Neuanlagen vergrößern das Volksvermögen dauernd oder doch
auf längere Zeit. Es sei hierbei auch auf die Unmöglichkeit hin
gewiesen, einmal investierte Gewinne verschwenden oder vergeuden zu
können. Der Kapitalist erzeugt durch solche Verwendung seiner
Gewinne eine feste Grundlage zu weiterer Vermehrung des Volks
vermögens. Seine Ersparnisse kommen nicht nur ihm selbst, sondern
auch der Gesamtheit zugute. Es ist also ein scharfer Unterschied zu
machen zwischen den Kapitalisten, die durch werbende Neuanlagen
für das Wohl der Volkswirtschaft sorgen, und denen, die ihre Ein
nahmen oder ihr Vermögen für vergängliche Güter verschwenden;
der Kapitalist, der den größten Teil seiner Gewinne in maßloser
Weise für vergängliche Güter ausgibt, ist ein Schädling der Volks-