Full text : Über asiatische Wechselkurse

6

lern  in  Asien  war  nicht  vorhanden,  vielmehr  handelte  es
sich  zwischen  Europa  und  Asien  zunächst  immer  nur  um
den  Verkehr  zwischen  europäischem  Stammhaus  und  Auslandsniederlassung, ­
  Für  diese  Beziehungen  war  aber  kein
Bedürfnis  nach  Wechselkursen  gegeben,  letzteres  äußerte
sich  vielmehr  nur  im  Verkehr  der  Niederlassungen  mit  ihren
dortigen  asiatischen  Geschäftsfreunden,  und  die  dabei  sich
ergebenden  Wechselkurse-  waren  anfangs  lediglich  Münzumwechslungskurse.
  Wenn  auch  heute  noch  die  asiatischen
Wechselkurse  bei  vielen  unbewußt  die  Vorstellung  von  Sortenkursen ­
  erwecken,  so  liegt  das  wohl  an  geringem  Vertrautsein ­
  mit  den  asiatischen  Geschäftsbeziehungen;  tatsächlich ­
  sind  es  heute  Wechselkurse  wie  alle  anderen,  also
Preise  für  Auslandsguthaben,  und  daneben  steht  das  für
Europa  nicht  in  Frage  kommende  Sortengeschäft.  Je  mehr
nämlich  das  Filialsystem  nachließ  und  die  Fremdenfirmen
im  Osten  von  Europa  unabhängig  wurden,  und  je  mehr,  als
neueste  Entwicklung,  der  direkte  Verkehr  zwischen  asiatischen ­
  Importeuren  und  europäischen  Exporteuren  an  Bedeutung ­
  gewann,  um  so  mehr  ließ  der  Sortencharakter  der
in  Frage  stehenden  Kurse  nach,  sodaß  es  sich  heute  durch
das  gleichzeitige  Dazwischentreten  der  Überseebanken  bei
den  asiatischen  Notizen  auf  Europa  nur  noch  um  Bewertungen ­
  von  Forderungen  zwischen  Asien  und  Europa  handelt.
Eine  Sonderstellung  nehmen  in  diesem  Zusammenhang  die
chinesischen  Kurse  ein,  da  deren  Gestaltung  noch  durch
eine  Art  Sortenspekulation  beeinflußt  wird,  ohne  jedoch  im
Grundsatz  ihren  Charakter  zu  ändern.
In  einem  Punkte  dagegen  hat  sich  eigentlich  nichts
gegen  die  früheren  Verhältnisse  geändert.  Das  ist  der  Umstand, ­
  daß  auch  heute  noch  regelmäßig  nur  der  asiatische
Kontrahent  ein  Interesse  an  der  Gestaltung  der  Wechselkurse ­
  hat.  Der  europäische  Asien-Exporteur  pflegt  nämlich
den  Gegenwert  seiner  Verschiffungen  nicht  in  ausländischer,
also  asiatischer,  sondern  in  einer  europäischen  Währung  zu
entnehmen  .  Meistens  ist  das  einstweilen  noch  die  eng-1)

  Siehe  u.  a.  Wilh,  Friedrich.  Die  Technik  des  Zahlungsverkehrs ­
  im  Export  mit  China,  Zeitschrift  für  handelswissensch.  Forschung
IV,  340.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.