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im Lande erhalten kann oder nur auf Kosten der Konsumenten künst-
lich grossgezogen ist. Es wird deshalb sehr häufig der Fehler be-
zangen, dass diejenigen prinzipiell angegriffen und als extreme Frei-
händler angesehen werden, welche aus praktischen Gründen einen
Schutzzoll in einem bestimmten Falle nicht für angemessen halten.
Aufgaben Eine allgemeine Aufgabe hat sich in der neueren Zeit für Staat
‚egenüber denund Gesellschaft entwickelt, in besonderer Weise für die unteren
Se Klassen einzutreten, ihre Lage zu verbessern, um ihnen zu einem
* menschenwürdigeren Dasein zu verhelfen, worauf sie durch die höhere
Bildungsstufe, auf der sie jetzt bei uns stehen, ein Anrecht haben; und
erhebliche Opfer sind hier gerechtfertigt, da die Gesamtheit dadurch
einen reichlichen Gewinn hat. Nur dadurch sind die Verbrechen zu
vermindern, Klassengegensätze zu mildern, die Widerstandskraft des
ganzen Landes zu heben und die Arbeitskraft der Gesamtheit zu
steigern. Die Aufgaben des Staates nach dieser Richtung sind erst in
der neueren Zeit richtig erkannt und gewinnen von Jahr zu Jahr
höhere Bedeutung. Sie werden uns deshalb besonders zu beschäftigen
haben.
Alleinige Sorge Im Allgemeinen hat der Staat nur für die Grundlagen der Pro-
für die Grund-duktion Sorge zu tragen, nicht aber für die Beschaffung der einzelnen
nn der Pro-Güter selbst, da der privatwirtschaftliche Unternehmungsgeist heutigen
uktion, x h . . "
Tages entwickelt genug ist, um für diese selbst zu sorgen, Handel
und Industrie stehen auf einer so hohen Stufe, dass die nötige Ueber-
sicht bei ihnen vorauszusetzen ist, und die Aussicht auf Gewinn führt
sie von selbst dazu, das zu produzieren, was notwendig ist. Indessen
wo eine lange Voraussicht erforderlich und grössere: Auslagen zu
machen sind, können auch nach dieser Richtung dem Staate Aufgaben
zufallen, z. B. gegenwärtig Eichenwald anzuschonen, der ausserordentlich
langsam wächst, um auch späteren Generationen starke Eichenstämme
zu garantieren.
Ergebnisse für Noch einmal ist hervorzuheben, dass jedes zu weit gehende Ein-
die Staatsauf- greifen, eine zu grosse Bevormundung der Bevölkerung schädlich auf
gaben. den Volksgeist wirkt und der Regierung eine übermässige Verant-
wortung aufbürdet. Dazu kommt, dass bei der unendlichen Kompli-
ziertheit des Wirtschaftslebens durch eine weitgehende Einmischung in
dieselbe die Regierung von ihren höheren Aufgaben abgelenkt und ihre
Kraft zersplittert wird. Noch mehr aber fällt ins Gewicht, dass die
Staatsgewalt Gefahr läuft, ein Spielball der sich gegenüber stehenden
wirtschaftlichen Parteien zu werden, und die materiellen Interessen das
ganze Staatsleben beherrschen. Darum vermeidet man in den Ver-
sinigten Staaten Nordamerikas ängstlich, der Staatsgewalt eine zu grosse
wirtschaftliche Macht einzuräumen, da sie von der leitenden politischen
Partei zu sehr ausgebeutet werden würde, Diese Gefahr ist in einem
monarchischen Staate geringer, aber der Parlamentarismus leidet
darunter, wenn die Entscheidungen über die materiellen Interessen
wichtiger werden, als die über die sonst in Frage kommenden Kulturauf-
gaben. So ist auch leider in Deutschland zu verfolgen, dass .die Par-
teien sich nicht mehr nach dem politischen Standpunkte unterscheiden,
sondern die wirtschaftlichen Gegensätze die massgebenden sind, wo-
durch die Diskussionen von ihrer früheren Höhe wesentlich herab-
gezogen sind. Auch aus dieser Rücksicht ist es zu vermeiden, dass