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zu regulieren. Nach dem zwar nicht objektiven, aber als
staatliche Propagandaleistung hervorragenden „Finanziellen
und wirtschaftlichen Jahrbuch von Japan" 5 ) verfolgt die
Speziebank als Hauptzweck die Förderung des auswärti
gen Handels. Sie gilt als Regierungsorgan, ihre Form ist
die einer Aktiengesellschaft mit einem Kapital von 24 Mill.
Yen (50,2 Mill. M). Von der Regierung wird sie nament
lich dadurch begünstigt, daß ihr die Bank von Japan (Nippon
Ginko) auf Verlangen ausländische Wechsel bis zum Be
trage von 20 Mill, Yen (41,8 Mill. Ji] gegen eine Zinsrate
von 2% rediskontieren muß. Der Betrieb der Bank umfaßt
folgende Geschäfte: Ausländischer Wechselverkehr, heimi
scher Wechsel verkehr, Vorschüsse, Inkasso, Depositen,
Geldwechselgeschäfte, An- undVerkauf von Staatspapieren,
Edelmetallen und Sorten, „Auch kann sie mit Angelegen
heiten, die sich auf ausländische Anleihen beziehen, und mit
der Verwaltung öffentlicher Gelder im internationalen Ver
kehr betraut werden." Diese letztere Aufgabe, „mit der sie
betraut werden kann", in Verbindung mit dem Auslands
wechselgeschäft geben der Bank die Mittel an die Hand,
auf die Wechselkurse des Landes regulierend einzuwirken.
Einzelheiten über diese Tätigkeit der Yokohama Spezie
bank ergeben sich aus folgendem Bericht 1 2 ) des Kaiserl,
deutschen Generalkonsulats in Yokohama für das Jahr
1907: „Als die hohen europäischen Kabeltransferskurse auf
New-York die Gefährdung der europäischen Goldbestände
anzeigten und die Rate der Bank von England in der Zeit
vom 30. Oktober bis zum 7. November dreimal, zuletzt auf
7°/ 0 erhöht wurde, waren an sich auch für Japan die Be
dingungen für einen starken Goldabfluß nach Amerika ge
geben, wie er hier schon einmal, kurz vor dem Beginn und
in der ersten Zeit des Krieges mit Rußland, vorgekommen
war. Die fremden Banken, die sich auf die Seidensaison
eingerichtet und dafür Kurskontrakte geschlossen hatten,
sahen sich durch das plötzliche Stocken des Seidengeschäf
tes in die Lage gebracht, für die in Europa dringend ver
1) Das Buch erscheint in den wichtigeren Kultursprachen und
wird von der japanischen Regierung in großem Umlange verbreitet,
2) Deutsches Handels-Archiv, 1909, II, Teil, Seite 853,