Full text : Gleichberechtigung von Kapital und Arbeit

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volkswirtschaftlichen  Betriebe.  Die  Beteiligung  des  Arbeitswertes
ist  aber  von  außerordentlichem  Einfluß  auf  die  hervorgebrachten
Leistungen,  zumal  die  normale  Bezahlung  unter  den  gegenwärtigen
wirtschaftlichen  Verhältnissen  in  Deutschland  kaum  noch  mehr
als  ein  Existenzminimum  bedeutet  und  als  Ansporn  zur  Leistung
viel  verloren  hat.  Mit  der  kapitalisierten  Arbeit  tritt  in  die  Wirtschaft ­
  ein  neuer  Wert  hinzu,  dessen  Funktionen  bisher  nur  in
gewissermaßen  passiver  Richtung  gewertet  wurden.  Es  gilt,  alle
Mitwirkenden  in  der  deutschen  Wirtschaft  zu  Unternehmern  mit
dem  Einsatz  ihres  Besitzes  zu  machen.  Sowohl  Kapital  wie  Arbeit
haben  in  der  Volkswirtschaft  nur  dann  einen  berechtigten  Wert,
wenn  sie  im  Dienste  des  Ganzen  nutzbar  gemacht  werden.  Dahingehend ­
  ist  m.  E.  auch  einzig  die  verfassungsmäßig  festgelegte
Pflicht  zur  Arbeit  aufzufassen.  Aber  nichts  ist  im  menschlichen
Leben  eine  so  starke  Triebkraft  wie  das  eigene  Interesse  und  die
eigene  bestmögliche  Existenz.  Es  kommt  deshalb  in  erster  Linie
darauf  an,  das  eigene  Interesse  jedes  Einzelnen  in  gleiche  Richtung
mit  dem  Gesamtinteresse  der  Volkswirtschaft  zu  bringen.  Bei  der
bisherigen  Kampfstellung  des  Arbeitnehmers  gegen  den  Arbeitgeber ­
  war  diese  gleiche  Richtung  ausgeschlossen.  Die  Notwendigkeit ­
  der  Produktionserhöhung  aber  verlangt  gebieterisch  eine  Nutzbarmachung ­
  sämtlicher  verfügbaren  Kräfte,  und  diese  wird  durch
die  Werteinsetzung  der  Arbeit  in  der  Volkswirtschaft  erreicht.
Die  solchermaßen  in  die  Wirtschaft  eingegliederte  Wertung  der
Arbeitskraft  ist  nicht  nur  das  elementare  Gebot  sozialer  Gerechtigkeit ­
  und  als  solches  von  zwingender  Notwendigkeit,  sondern
ist  auch,  soweit  ich  sehen  kann,  das  einzige  Mittel,  das  eine
Produktionssteigerung  ohne  erhöhten  Einsatz  kapitalistischer
Mittel,  die  nicht  zur  Verfügung  stehen,  unbedingt  und  sicher  gewährleistet. ­
  Beteiligung  der  Arbeitnehmer  am  Gewinn,  denn
bisher  handelte  es  sich  in  der  Wirtschaft  nur  um  eine  solche,  ist
am  schärfsten  immer  gerade  von  Arbeitnehmerseite,  namentlich
von  den  Gewerkschaften,  bekämpft  worden.  Die  Gründe,  die  diese
dagegen  vorgebracht  haben,  sind  außerordentlich  interessant  und
um  so  weniger  in  diesem  Zusammenhänge  zu  übergehen,  als  politisch ­
  wenigstens  davon  die  Durchführungsmöglichkeit  der  neuen
Wirtschaft  zu  einem  großen  Teile  abhängig  ist.  Die  Gewerkschaften
haben  bisher  als  Ursachen  der  angebotenen  Gewinnbeteiligung ­
  folgende  vier  Motive  angesehen:
1.  Menschen-  bzw.  Arbeiterfreundlichkeit;
2.  das  Streben  nach  gerechter  Verteilung  des  Arbeitsertrages;
Piechottka,  Gleichberechtigung  von  Kapital  und  Arbeit.  2
            
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