28
wert unverändert bleibt, sie fällt mit steigendem Geldwert. Diese
Regulierung bleibt nach wie vor den Kräften überlassen, die sie
bisher durchgeführt haben. Daran ändert sich nichts. Nützlich
ist nur, daß der arbeitende Mensch einen besseren Einblick in den
Betrieb und seine Tragfähigkeit für Lohnerhöhungen erhält, ein
Umstand, der ohne Frage dazu beitragen wird, daß sich über
triebene Lohnforderungen von vornherein auf das mögliche Maß
reduzieren, wodurch der deutschen Wirtschaft unnötige Kämpfe
erspart bleiben würden. Nur in einem Punkte geht Lohnhöhe und
Beteiligungswert Hand in Hand, und das ist, daß der Beteiligungs
wert automatisch der Lohnhöhe gleicht, da beide dem Wert der
in den Betrieb eingelegten Arbeit gleichen müssen. Die gegen
wärtigen Lohnerhöhungen sind zudem nicht absolut, sondern regu
lieren nur die Existenzgrundlage der Arbeit gemäß dem schwan
kenden Wert der Mark. Widerstand aus diesem Grunde ist also
nicht stichhaltig.
Der Arbeiter als Mitunternehmer.
Der Arbeiter als Mitunternehmer ist eine neue Erscheinung.
Die im Betriebsrätegesetz versuchte Lösung ist der Anfang, als
ein vorbereitendes Stadium aber immerhin wertvoll. Sie bedeutet,
wenn auch nur als Zwischenstufe, eine Wendung zur individua
listischen Wirtschaft. Die Schwierigkeiten der Durchführung und
die Gefahren der Wirkung des Betriebsrätegesetzes ergeben sich aus
der Verquickung zweier Systeme, des kapitalistisch-sozialistischen
und individualistischen, das jedes für sich wirkungsfähig ist, deren
Verschmelzung aber beide gegeneinander hemmt. Ein Arbeiter,
der mehr der gegnerische Kontrolleur des Unternehmers ist und
naturgemäß bei der gegenwärtigen sozialen Ordnung darüber
wachen muß, daß die Unternehmerprofite für die Arbeiterlöhne
ausgeschlachtet werden, ist nicht der produktive Exponent der
Wirtschaft, den die Zusammenv/irkung aller am Betrieb beteiligten
Arbeiter in ihrem eigenen Mitunternehmerinteresse darstellt. Die
Wünsche der Arbeiterschaft für einen sozialen Fortschritt waren
so zwingend, daß etwas geschehen mußte, was dem Arbeiter seine
gehobene Stellung zum Ausdruck brachte, aber es geschah unter
dem Druck der Straße etwas Halbes. Der Zweck war, den Arbeiter
von der Furcht zu befreien, daß er für kapitalistische Interessen
ausgebeutet werden könnte, und ihm diese Sicherheit durch eigene