Full text: Gleichberechtigung von Kapital und Arbeit

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eine Sicherheit des Wirtschaftsfriedens eingeführt hat. Das ist die 
erste Durchführung dieses Gedankens in umfassendem Stile, wenn 
auch nur für einen Industriezweig. Die Gewinnbeteiligung der 
Arbeiterschaft in England läuft mit der in meinem Vorschläge ent 
haltenen ziemlich genau parallel. Das ist der beste Beweis für die 
Durchführungsmöglichkeit meiner Gedanken. Die landesübliche 
Verzinsung hat man in England mit 17% angenommen. Unter 
den heutigen Umständen ist dieser Prozentsatz in Deutschland 
vielleicht zu hoch, immerhin aber noch durchführbar, da die 
meisten Betriebe eine höhere Dividende verteilen. Immerhin kann 
sich die Verzinsung des Kapitals stets auf landesüblicher Höhe hal 
ten, und da mag die deutsche Regierung den landesüblichen Satz 
durch jeweilige Notierung festlegen. Die Gewinnverteilung in 
England von 83% des Übergewinnes auf die Arbeiterschaft und 
17% auf das Kapital, wobei die 17% Gewinnverteilung nichts mit 
der zufällig gleichen 17%igen Verzinsung zu tun haben, entspricht 
ebenfalls ziemlich genau meinem Vorschläge, nur daß ich ein all 
gemeingültiges Verhältnis, anstatt eines direkten Zahlenverhält 
nisses für den vorteilhafteren Weg wegen der allgemeinen Durch 
führungsmöglichkeit halte. Das Zahlenverhältnis in England ent 
spricht dem Verhältnis des im Bergbau investierten Kapitals zu 
den Jahreslöhnen der englischen Bergarbeiterschaft. Es ist also 
tatsächlich genau die gleiche Grundlage, die ich für mein System 
angenommen habe, wobei ich nur allgemein die kapitalistische Aktie 
in gleicher Höhe mit der gleich hohen Arbeitsaktie in Rechten 
und Pflichten für jeden Einzelbetrieb in Übereinstimmung gebracht 
und angepaßt habe. Damit fallen alle Bedenken hinsichtlich der 
materiellen Ausführungsmöglichkeit meines Systems. Was sich 
ao allgemein, wie im englischen Bergbau, durchführen läßt, das 
läßt sich auch allgemein in jeder Volkswirtschaft durchführen, 
und man kann nicht damit argumentieren, daß die deutsche Volks 
wirtschaft in ihrer gegenwärtigen Notlage die Gewinnbeteiligung 
der Arbeiter nicht vertragen kann. Die psychologischenGrund- 
lagen, die zur Gewinnbeteiligung führen, sind in England nicht 
anders als in Deutschland. Hier wie dort wird von einer Gewinn 
beteiligung eine Steigerung der Arbeitsleistungen erwartet und 
erreicht werden. Die Steigerung der Arbeitsleistungen aber 
ist etwas, was dem kranken deutschen Wirtschaftsleben noch in viel 
höherem Maße notwendig ist als der englischen Wirtschaft. Des 
halb, weil eine Steigerung der Arbeitsleistungen durch Gewinn 
beteiligung mit Sicherheit anzunehmen ist, deshalb ist gerade in
	        
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