Full text : Gleichberechtigung von Kapital und Arbeit

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Deutschland  die  Einführung  der  Gewinnbeteiligung  in  viel  stärkerem ­
  Maße  zu  verlangen  als  in  England.  Es  kommen  in  meinem
Vorschlag  noch  hinzu  die  ideellen  Triebkräfte,  die  durch  die  ideellen
zum  Teil  schon  im  Betriebsrätegesetz  verankerten  Rechte  der  Mitbestimmung ­
  und  des  Mitbesitzes  verwirklicht  sind  und  die  günstigen ­
  Aussichten  der  allgemeinen  Durchführung  dieses  Systems
noch  bedeutend  erhöhen.  Kann  es  da  noch  ein  Bedenken  geben,
dieses  Wirtschaftssystem  so  rasch  wie  möglich  zur  Erhöhung  der
Produktion  nutzbar  zu  machen  ?  Es  wäre  nur  abzuwägen,  ob
andere  Vorschläge,  die  in  dieser  Richtung  laufen,  größere  Vorteile
hervorbringen.
Eine  Auseinandersetzung  zwischen  dem  Sozialindividualismus
und  dem  neuerdings  wieder  aufgetauchten  Solidarismus  ist  an
dieser  Stelle  unumgänglich.  Neuerdings  hat  Erzberger  einen
Schlagwortkampf  eingeleitet.  Er  argumentiert:  der  Kapitalismus
ist  tot,  der  Sozialismus  ist  tot,  folglich  lebt  der  christliche  Solidarismus. ­
  Zunächst  einmal  ist  es  ein  Unsinn,  die  historische  Entwicklung ­
  des  Kapitalismus  als  einfach  überwunden  zu  bezeichnen.
Anders  als  auf  Grund  und  als  Fortbildung  der  historischen  Entwicklung ­
  kann  kein  Wirtschaftssystem  gedeihlich  arbeiten,  und
wenn  selbst  Erzberger  die  Privatwirtschaft  in  seinem  System  für
unbedingt  notwendig  hält,  so  widerspricht  er  dadurch  seiner
eigenen  These,  daß  der  Kapitalismus  tot  sei.  Denn  Kapitalismus
bedeutet  ohne  den  agitatorischen  Beigeschmack  tatsächlich  nichts
anderes  als  Privatwirtschaft.  Der  Kapitalismus  wird  infolgedessen
so  lange  nicht  tot  sein,  als  Privatwirtschaft  weiter  besteht.  Auch
der  Sozialismus,  wenn  freilich  auch  nicht  das,  was  im  allgemeinen
und  parteimäßig  darunter  verstanden  wird,  ist  als  soziales  Lebenselement ­
  etwas  historisch  Gewordenes,  zwar  sehr  entwicklungsbedürftig, ­
  aber  nicht  einfach  totzuscblagen.  Es  ist  eine  große
Leichtfertigkeit,  durch  den  Unfug  der  Kommunisten  in  Moskau
den  Sozialismus  ad  absurdum  führen  zu  wollen.  Der  moskowitische
Kommunismus  hat  mit  dem  Sozialismus  auch  absolut  nichts  zu
tun,  und  selbst  die  Sozialdemokratie  in  allen  ihren  Schattierungen
hat  nichts  zu  tun  und  will  nichts  zu  tun  haben  mit  den  Auswüchsen,
die  die  Entwicklung  in  Moskau  gezeitigt  hat.  Die  Zusammenfassung ­
  im  Sozialismus  wird  noch  so  lange  Bestand  haben,  bis  der
einzelne  Arbeiter  als  einzelner  gegenüber  jedem  anderen,  namentlich
gegenüber  dem  Kapital  besitzenden  Menschen  seine  Rechte  ohne
Unterstützung  anderer  geltend  machen  kann,  und  das  wird  noch
sehr  lange  dauern,  wenn  nicht  letzten  Endes  die  Zusammenfassung
            
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