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die extensive Wirtschaft immer noch produktiver bleibt als die
intensive.
Danach läßt sich schon a priori sagen, daß der Kampf
der menschlichen Gesellschaften um den Boden gerade in den
Perioden besonders scharf war, wo die Bevölkerungszunahme
sie zwang, ihr eigenes Territorium auf Kosten des Nachbarn aus
zudehnen oder zu einer intensiveren Wirtschaftskultur überzu
gehen. Solcher Perioden gab es mehrere. Der besonders schroffe
Übergang von der Viehzucht zum ansässigen Ackerbau rief den
schärfsten Kampf hervor. Der Kampf der Hirtenvölker unterein
ander ging noch in der vorhistorischen Periode vor sich. Die
Geschichte hat nur einige Episoden des Kampfes zwischen
Nomaden und Ackerbauern verzeichnet, nämlich den Überfall der
ansässigen, Ackerbau treibenden Völker durch Nomadenvölker.
Einer der größten Zusammenstöße dieser Art war die sogenannte
„große Völkerwanderung“; einen ähnlichen Charakter trugen die
Einbrüche der Mongolen in Rußland, der Nomaden in die alten
asiatischen Staaten, die Übersiedelung der Kelten, der Ger
manen usw.
Während der Periode des Kornbaues wird der Kampf ein
zelner Gesellschaften um das Land durch den Klassenkampf
innerhalb dieser Gesellschaften kompliziert. So wird der Über
gang von wilder F eidgras Wirtschaft zur Dreifelderwirtschaft von
der Entwicklung der Leibeigenschaft begleitet. Die Zerstreuung
der Bevölkerung geht somit nicht nur infolge des Bestrebens,
eine extensive Kultur einzuführen, vor sich, sondern auch unter
dem Einflüsse des Klassenkampfes innerhalb der Gesellschaft,
der Okkupation von Grund und Boden usw. Mit der Entwicklung
des Kapitalismus und der mit ihm verbundenen landwirtschaft
lichen Technik gewinnen der Klassenkampf und die Ausbeutung
einer Klasse durch die andere eine immer größere Bedeutung.
Die Tendenz, sich zu zerstreuen, neue Gebiete zu kolonisieren,
wird somit nicht nur nicht abgeschwächt, sondern sogar gestärkt,
obgleich schon nicht mehr die absolute, sondern nur die relative
Übervölkerung auf dem Lande von immer größerer Bedeu
tung wird.