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Dritter Teil.
logisch gezwungen, die künstliche Abtreibung der Frucht un-
ehelicher Liebesleute mit Freuden als „Fortschritt“ zu be-
grüßen. Die Ausbreitung solcher Kunstgriffe, die allerorts vom
Gesetz mit schweren Strafen belegt werden, führt gewiß eben-
falls zum Resultat einer Verminderung der unehelichen Ge-
burten. Insofern kann die Verminderung der Ziffer der unehe-
lichen Geburten sogar Indizium unzweifelhaft feststehender
Zunahme der „Unmoral‘ in einem Volke sein. Dementsprechend
könnte dann also unter gewissen Umständen die Vermehrung
der unehelichen Geburten als ein Anzeichen höherer „Moral“
betrachtet werden. Die Wissenschaft muß mithin jedes Inbe-
ziehungsetzen von bei einem Volke vorhandener unehelicher
Natalität mit der Sexualmoral und jedes Abschätzen des Grades
dieser an der Höhe jener als. eine Mystifikation zurückweisen,
die geeignet ist, die an sich schon nicht leichte Untersuchung
vom Wesen des Fortschrittes durch unbefugte Seitensprünge
zu stören.
Schon Mittermaier hat 1844 aus der Tatsache der geringen
Unehelichkeitsziffern in italienischen Landen zum Unterschied
von den hohen Ziffern in Deutsch-Österreich®? sowie der zu-
nehmenden Zahl der ausgesetzten Kinder in Italien mit Nach-
druck darauf hingewiesen, daß es sich bei keiner der drei in
Frage kommenden statistischen Daten um ihre ausschließlich
moralische Deutung handeln könne. Er führt als Ursache der
geringen Unehelichkeit in Italien an: erstens die frühe Ver-
heiratung der ohnehin frühreifen Mädchen; zweitens das
Vorhandensein reichlicher Dotationsinstitute (Mitgiftinstitute) ;
drittens den Einfluß der Geistlichkeit, die, wenn sie durch die
Beichte von Schwängerung erfahren, bei ihren schuldigen
Beichtkindern auf schnelle Heirat dringe. Vor allem aber,
viertens, Sitte und Erziehung, die strenge Aufsicht, welche
Eltern über ihre jungen Töchter halten, und die keine Gelegen-
87 Vgl. S. 95 unseres Buches.