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Lebens, die kleine Gast- und Schankwirtschast u. a. m. — entwickelt sich in
Orten mit vorzugsweise industrieller Bevolkerung besonders gut. Es lebt von
den Arbeitern, entsteht um der Arbeiter willen und kann die Last der Steuern,
die das Betreiben ihres Gewerbes mit sich bringt, gut ertragen. Wenn etwa ^
der Kleinhandel mit Lebensmitteln in Betracht gezogen wird, so gestaltet er
sich in den Orten und in den Gegenden mit zahlreicher Arbeiterbevolkerung,
wie der Augenschein zeigt, sicherlich giinstiger, als in den Vororten mit ^
zahlungskraftiger Bevolkerung, die ihren Bedarf vielfach in den komfortablen
Geschasten der City deckt, zumal bei dem heutigen Automobilverkehr be- ^
kanntlich die Versendung gekaufter Waren, selbst von Kleinigkeiten keine
Schwierigkeiten macht. Dazu kommt aber, dah die Kleinhandel- und Klein-
gewerbetreibenden in den sogenannten armeren Vororten, ohne dah ihr
Einkommen hinter dem der Erwerbstatigen der gleichen Klasse in den anderen
Gegenden Groh-Berlins zurucktritt, noch dadurch einen Vorteil haben, dah
die Mieten in den armeren Vororten geringer find, als in sogenannten
Vorzugsorten. Was aber die groheren Jndustrien betrifft, so finden fie aus
dem Boden der Vororte billigeres Baugelande, so dah die Ersparnis daran
eine steuerliche Mehrbelastung mindestens deckt.
Es soll ohne weiteres zugegeben werden, dah diese Ausfuhrungen nicht
fur alls Jndnstrievororte Berlins und namentlich fur die nicht zutrifft, die
in ihrer industriellen Entwicklung noch nicht genugend vorgeschritten find.
Darauf kann es aber auch nicht ankommen. Die Notlage einiger Gemeinden
und selbst die einmal unterstellte Leistungsunfahigkeit einiger kleinerer, noch halb
landlicher Gemeinden, kann fiir diese vielleicht eine Gleich-
stellung mit anderen ar men Gemeinden Preuhens hin-
sichtlich der Schullastenbeihilfen, niemals aber eine
gegen Berlin und seine we st lichen Vororte gerichtete ^
gesetzgeberische Mahnahme zulassig machen.
Jedensalls gibt es kein richtiges Bild, wenn zum Nachweise der Ueber-
lastung die Schullasten lediglich in ein Prozentverhaltuis zu den Ein
ks mm en steuern gesetzt werden. Legt man aber diese Berechnung
zugrunde, so konnen zum Nachweise einer erheblichen Ungleichheit nicht lediglich
die Berliner Vororte mit Berlin und miteinander verglichen werden. Werden
andere gleichgeartete Jndustriestadte zur Vergleichung herangezogen, so ergibt
sich, dah die starke Belastung der Einkommen st cner in it
Schulla sten eine — wenn auch bedanerliche —, s o doch allgem eine
E r s ch e i n n n g ist und kein Charakteristikum der industriellen Vororte.
Die folgende Tabelle, die einmal die samtlichen an der srnheren Petition der
Landgemeinden beteiligten Gemeinden und sodann einige Jndustriestadte, fur
die die Zahlen feststellbar waren, enthalt, ergibt in Spalte 1 den Belastungs-
satz der Einkommensteuer (wahrend in Spalte 2 die Schulkosten fur 1 Kind
und in Spalte 3 die Einkommensteuer-Kopfquote enthalten ist). Es kann
lediglich darauf Bezug genommen werden.
I.
G e m e i n d e
Volksschul-
lasten in pCt.
der Gemeinde-
einkommen-
steuer
Schulkosten
fiir
1 Kind
Aus 100 pCt.
reduzierte
Gemeinde-
einkommensteuer
aus den Kopf
der Bevolkerung
1. Steglitz
63,6
126,27
14,73
2. Boxhagen-Rummelsburg .
187,3
98,34
6,90
3. Groh-Lichterfelde ....
41,7
97,71
20,29
4. Friedenau
38,3
113,83
18,57
5. Reinickendorf
142,6
92,34
9,44
6. Treptow
70,8
111,48
15,74
7. Nowawes
129,4
70,40
8,48
8. Oberschoneweide
165,o
103,52
18,32
9. Friedrichsfelde
138,4
94,92
9,75
10. Tegel
109,7
119,28
13,31
11. Zehlendorf
34,5
128,90
29,06
12. Mariendorf
113,60
96,57
9,99
13. Friedrichshagen
129,7
92,52
9,42
14. Britz
188,50
70,39
7,10
15. Adlershof
241,i
100,04
6,63
16. Wittenau
119,2
82,75
12,09
17. Velten
166,40
46,80
7,98
18. Zaborze
115,95
49,30
9,99
19. Bogutschutz-Zawodzie . .
207,80
39,30
4,39
20. Bismarckhutte
196,9
44,10
4,55
21. Rohberg
348,9
51,24
3,77
22. Langenbielau
277,i
37,20
2,98
23. Siemianowitz
174,3
33,00
3,65
24. Lipine
107,2
46,22
9,89
25. Altwasser
301,s
35,44
3,27
26. Schwientochlowitz ....
710,9
28,50
0,85
27. Laurahutte
220,2
45,92
4,44
28. Zalenze
132,2
36,18
n
7,34
29. Biskupitz
150,8
19,85
2,60