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Das Städtewesen
Heute fällt es wohl keinem Bauerssohn und keinem land
wirtschaftlichen Arbeiter mehr ein, der Stadt oder der Fabrik
zuzustreben. Die Landwirtschaft nährt heute eben ihren Mann,
und mit Sehnsucht blickt mancher kleine Beamte heute nach dem
Bauernhöfe zurück, den er vor Jahren freiwillig verlassen hat.
Unzweifelhaft geht heute der Zug der Bevölkerung in ent
gegengesetzter Richtung: Die Stadt flüchtet auf das Land. Mancher
kleine Beamte und Geschäftsmann in der Stadt streben danach,
auf dem Lande ein kleines Besitztum zu erwerben, um dann
selbst ihren Kohl bauen zu können, selbst eine Ziege oder gar
ein Schwein halten zu können und daneben auch Kleintierzucht
zu treiben.
Wer aber der Stadt nicht entrinnen kann, sucht sich wenigstens
durch einen Schrebergarten einen Teil seines Gemüsebedarfes zu
decken, und er ist glücklich, wenn er der Scholle einige Häuptel
Salat, dann auch Spinat, Bohnen, Erbsen, Kohl und andere köst
liche Dinge abzuringen vermag ...»
In Österreich hat also die Bevölkerung unter dem Zwang
der Verhältnisse jenen Weg, den wir ihr nach dem Ergebnis
unserer theoretischen Erörterungen anraten müßten, bereits be
treten. '
In anderen Ländern, die momentan nicht so hart leiden,
wird die Überschätzung der industriellen Kultur vielleicht noch
einige Zeit dauern. Aber auch sie werden früher oder später den
Weg zur Scholle zurückfinden müssen.
Es ist dies einer von den Rettungswegen, die wir in den
folgenden Kapiteln besprechen wollen.