Full text : Übervölkertes Land

Innere  Kolonisation.

Nichts  ist  natürlicher,  als  daß  man  dem  durch  die  steigende
Bevölkerungszahl  entstehenden  Mehrverbrauch  zunächst  durch
Steigerung  der  Produktion  des  eigenen  Landes  gerecht  zu  werden
trachtet.  Ebenso  natürlich  ist  es,  daß  man,  um  den  schädlichen
Wirkungen  von  Volksanhäufungen  auf  engem  Raum  entgegenzuarbeiten, ­
  bemüht  sein  muß,  zunächst  dünn  besiedelte  Strecken
des  eigenen  Landes  zu  kolonisieren.  Ich  fasse  hier  unter  der  Bezeichnung ­
  innere  Kolonisation  die  Summe  aller  dieser  Maßnahmen
zusammen,  gebrauche  sie  [also  etwas  weiter  gefaßt.  Denn  gewöhnlich ­
  versteht  man  darunter  nur  die  Maßnahmen  zur  Besiedlung ­
  dünn  bewohnter  Gebiete  des  eigenen  Landes.  In  diesem
weiteren  Sinne  gehören  schließlich  auch  alle  Maßnahmen  zur
Hebung  des  Handels,  der  Industrie,  des  Verkehrswesens,  der
Energiewirtschaft  usw.  zur  inneren  Kolonisation.
All  diese  Zweige  wirken  zusammen,  um  die  Leistungsfähigkeit ­
  des  Staates  zu  heben.  Auf  diese  Weise  wurde  es  den
dicht  bevölkerten  und  hoch  kultivierten  Staaten  Europas  möglich,
den  Bedarf  einer  Bevölkerung  zu  bestreiten,  deren  Zahl  die  als
nützlich  erkannte  (100  pro  Kulturquadratkilometer)  oft  um  ein
vielfaches  übersteigt.
Die  Bevölkerung  solcher  Länder  lebt  allerdings  nur  zum
Teile  von  den  im  eigenen  Land  erzeugten  Nahrungsmitteln.  Einen
Großteil  ihres  Bedarfes  muß  sie  gegen  Abgabe  ihrer  Industrieprodukte
  von  auswärts  einführen,  wenn  der  betreffende  Staat  nicht
in  der  heute  ausnahmsweisen  Lage  ist,  Tribute  von  anderen
Staaten  (Kolonien)  zu  beziehen.
Eine  Zusammenstellung  der  Ein-  und  Ausfuhrwerte  pro
Kopf  der  Bevölkerung  für  die  wichtigsten  Staaten  der  Erde
bietet  Hickmanns  üniversaltaschenatlas  von  1917,  S.  50.  Man
            
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