Full text : Übervölkertes Land

Innere  Kolonisation

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Holland  verdankt  einen  großen  Teil  seines  besten  Bodens
der  Trockenlegung  der  Moore,  die  dort  schon  im  Jahre  1630
begann.
Wie  sehr  die  Bodenerträge  in  vielen  europäischen  Ländern
noch  durch  Verbesserung  der  Bodenbearbeitung,  durch  Saatgutauswahl ­
  und  -Züchtung,  durch  eine  verbesserte  Düngerbehandlung,
durch  künstliche  Düngung,  durch  künstliche  Bewässerung  usw.
gehoben  werden  könnten,  wird  heute  oftmals  in  Versammlungen,
Büchern  und  Zeitschriften  besprochen.
In  dicht  besiedelten  Gegenden  ergibt  sich  überdies  die  Möglichkeit ­
  einer  fortschreitenden  Industrialisierung  der  Landwirtschaft. ­

Die  Hebung  des  Molkereiwesens,  die  Verbreitung  der  Kleintier- ­
  und  Geflügelzucht,  des  Gartenbaues  sowie  der  verschiedenartigsten ­
  landwirtschaftlichen  Nebengewerbe  kann  außerordentlich
zur  Hebung  des  Volkswohlstandes  beitragen.
Wieviel  sich  auf  dem  Gebiete  der  Energiewirtschaft
(z.  B.  Ausnutzung  der  Wasserkräfte)  und  des  Verkehrswesens
zur  Hebung  des  Volkswohlstandes  noch  tun  ließe,  wird  heute  in
den  Fachkreisen  der  notleidenden  Staaten  fortwährend  erörtert
Die  Grundlage  für  die  durch  die  Innenkolonisation  angestrebte ­
  Intensivierung  des  landwirtschaftlichen  Betriebes  ist  eine
vernünftige  Bodenreform,  die  anstrebt,  nicht  gehörig  ausgenutztes
Land  einer  besseren  Verwertung  zuzuführen,  insbesondere  auch
durch  Überführung  nicht  genügend  intensiv  betriebenen  Großgrundbesitzes ­
  in  Mittel-  und  Kleinbesitz.
Freilich  dürfen  dabei  jene  Großgrundbesitzerfamilien,  die
seit  Jahrhunderten  mit  der  Heimaterde  verwachsen  sind  wie
keine  andere  Schicht  der  Bevölkerung,  nicht  entwurzelt  werden.
Wenn  solche  Familien  ihre  Wirtschaften  gut  betreiben,  sind  sie
vermöge  ihrer  Bildung  und  ihrer  Mittel,  die  sie  befähigen,  allen
technischen  Fortschritten  Eingang  auf  ihren  Gütern  zu  verschaffen,
eine  Wohltat  für  die  landwirtschaftliche  Kultur.  —  Nur  zu  häufig
ist  aber  in  neuerer  Zeit  der  Großgrundbesitz  zu  einem  Handelsobjekt ­
  geworden,  das  sehr  oft  den  Besitzer  wechselt  und  dann
die  oben  genannten  volkswirtschaftlichen  Vorteile  verliert.  Solchen
Erscheinungen  gegenüber  muß  die  systematische  Arbeit  der  Bodenreform ­
  einsetzen.  Allerdings  erfordert  die  Verwirklichung  der
            
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