Full text : Übervölkertes Land

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Einleitung

Raum  erst  schaffen.  In  den  letzten  Jahrzehnten  vor  dem  Kriege
waren  ihm  koloniale  Erwerbungen  geglückt.
Damit  war  es  in  den  Wettbewerb  um  überseeische  Geltung
eingetreten  und  der  Konfliktstoff  gegeben.
Dessen  letzte  Ursache  liegt  also  in  der  zu  zahlreichen  Bevölkerung, ­
  deren  Versorgung  zur  Expansion  nötigte.
Ähnliche  Verhältnisse  bestehen  leider  auch  anderwärts.  Viele
europäische  Staaten  haben  schon  aus  dieser  primären  Ursache
—  abgesehen  von  den  sonstigen  politischen  Verhältnissen  —
Reibungen  mit  dem  Nachbar.  Und  wenn  wir  den  Blick  auf  die
übrigen  Weltteile  lenken,  fallen  vor  allem  China  und  Indien,
dann  Japan  in  die  Augen,  die  eine  Überzahl  an  Volk  haben  und
bei  weiterer  Vermehrung  desselben  auf  die  Nachbargebiete  übergreifen ­
  müßten.
Überall,  wo  eine  zu  zahlreiche  Bevölkerung  keine  ausreichende
Lebensmöglichkeit  mehr  findet,  tritt  der  unwiderstehliche  Zwang
nach  Expansion  und  damit  der  Konflikt  mit  dem  Nachbar  auf.
Wenn  in  alten  Zeiten  ein  Landstrich  so  übervölkert  war,
daß  er  —  für  die  damaligen  Verhältnisse  —  seinen  Insassen
nicht  mehr  genügte,  wanderten  ganze  Völker  in  günstigere  Gegenden ­
  aus,  die  sie  sich  durch  Kampf  unterwarfen.
Die  ganze  Periode  der  Völkerwanderung  mag  recht  wohl
auf  solche  Ursachen  zurückzuführen  sein.  Irgendein  übervölkertes
Gebiet  Zentralasiens  gab  den  Anstoß,  der  die  Nachbarvölker  über
den  Haufen  warf.  Deren  Druck  pflanzte,  sich  daun  wellenartig
und  auf  lange  Zeiträume  verteilt  fort,  bis  endlich  wieder  relative
Ruhe  eintrat.
Heute  ist  diese  primitive  Form  des  Ausgleiches  der  Bevölkerungsdichte ­
  kaum  möglich,  außer  in  Gegenden,  die  noch
von  Nomaden  bewohnt  sind.
Wohl  flutet  aber  in  der  Form  der  Einzelauswanderung
ständig  ein  Menschenstrom  aus  den  Übervölkerungsgebieten  in
andere  Gegenden.  Zur  Ruhe  kommt  die  Bevölkerungssituation
eigentlich  nie,  doch  ist  diese  Bewegung  viel  zu  gering,  um  der
Volksvermehrung  im  Heimatlande  das  Gleichgewicht  zu  halten.
So  müssen  die  in  der  Heimat  Zurückgebliebenen  sich  von  auswärts ­
  den  Lebensunterhalt  verschaffen.  Sie  brauchen  Einfuhr  an
Lebensmitteln  und  Rohstoffen  aus  dem  Auslande.  Diese  müssen
            
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