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hätte die Entwicklung den umgekehrten Weg nehmen müssen. Das
hängt damit zusammen, daß sich fast jede industrielle Erzeugung, handle
es sich um Zucker oder etwas anderes, in kleinen Betrieben teurer
stellt als in den Großbetrieben, wie sie unsere Siedereien darstellen.
Mit wenig Ausnahmen steht außerdem die Güte des in Rohzucker
fabriken gewonnenen Verbrauchszuckers dem der Siedereien nicht
gleich, da letztere, schon durch zweckdienliche Vermischung der sehr
unterschiedlichen Rohzucker aus den verschiedensten Fabriken, ein stets
gleichmäßiges Erzeugnis auf den Markt zu bringen in der Lage sind.
Brukner nennt die Zuckererzeugung den Zeiger an der Uhr der
landwirtschaftlichen Schaffenstätigkeit. Die nachstehende Tafel
läßt das Emporblühen der deutschen Zuckerindustrie an der Steige
rung ihrer Erzeugung, dem Absatz, den sie gefunden, erkennen und
zeigt auch den steuerlichen Ertrag, den sie dem Reiche gebracht hat.
Es betrug die
1903/04
1908,09
1913/14
Welterzeugung an Zucker
103 210 000
145 820 000
187 380 000
Deutsche Zuckergewinnunq
19 211 365
20 792 212
27 158 701
Deutsche Ausfuhr
8 736 234
8 384 155
11 282 231*)
Deutscher Verbrauch
11 371 886
12 502 263
14 680 000
Aus den Kaps der Bevölkerung ..
19,13
19,f>9
21,67
Reinertrag von Steuer und Zoll Jt
129 707
157 650
163 823*)
Auf den Kopf der Bevölkerung ..
2,18
2,47
2,44*)
Ein Vergleich für alle Jahre des Jahrhunderts lehrt, wie die deutsche
Zuckergcwinnung, abgesehen von den beiden Mißerntejahren 1904/05
und 1911/12, ziemlich ständig zugenommen hat. Hand in Hand
mit ihr ging eine erfreuliche Steigerung des Jnlandverbrauchs. Man
niird kaum fehlgehen, sie mit der günstigen Lage, die in fast allen
Zweigen der deutschen Industrie geherrscht hat, in Verbindung zu
bringen. Hat auch die Hochkonjunktur ein Anziehen fast aller Roh
stoffpreise und damit eine Steigerung der Unkosten für die Zucker
fabriken gebracht, so haben diese durch Entwicklung und Verbesserung
ihrer Einrichtungen es verstanden, den Zucker immer billiger herzu
stellen, und es dadurch ermöglicht, den Jnlandsvcrbrauch beständig
zu mehren. Mit dem steigenden. Wohlstände unseres Volkes, mit der
Besserung der Lebens- und EinkommenSvcrhältniffe der unteren
Klaffen ist auch eine Erhöhung des Verbrauchs an Zucker verbunden
gewesen, freilich nicht in dem Maße, wie das im Interesse von
Industrie und Landwirtschaft und im Interesse einer guten und
kräftigen Volksernährung von vielen Seiten empfohlen und ange-
. *) Zahlen aus 1912/13 ergänzt.