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Die Kriegsbewirtschaftung des Zuckers.
Von Dr, Karl Feßmann, Leiter der Volkswirtschaftlichen Abteilung der
Rekchszuckerstelle, Berlin.
I. Zuckererzeugung und Zuckerverbrauch vor dem Kriege.
Im Anschluß an den vorausgehenden Aufsatz seien für die
Darstellung der Zuckerbewirtschaftung einleitend die allerwichtigsten
Zahlen Herausgeboben, welche die hervorragende Bedeutung des Zuckers
gerade für das deutsche Wirtschaftsleben in Erzeugung und Verbrauch
kennzeichnen und der Kriegsbewirtschaftung als wesentlichste Unter
lage dienten.
Deutschland ist seit dem Jahre 1875/76 in seiner Zuckerwirtschaft
von dem Auslande unabhängig. Der jährliche Zuckerverbrauch, der
in Deutschland im Jahre 1871/72 197 043 Tonnen*) Verbrauchs
zucker, das ist 4,9 kg auf den Kopf der Bevölkerung, betrug, ist auf
1 282 309 Tonnen*), das ist 19,2 kg auf den Kops der Bevölkerung,
im letzten Friedensjahre 1912/13 gestiegen. Während im Jahre
1871/72 der Anteil Deutschlands an der Gesamtzucker-
Produktion (Rohrzucker und Rübenzucker) 6,38 % betrug, machte
er im Jahre 1912/13 14,94% aus; der Anteil Deutschlands an der
Rübenzuckererzeugung der Welt ist von 17,74% im Jahre 1871/72
auf 30,42 % im Jahre 1912/13 gestiegen. Die Gesamttiickererzeugung
der Welt ist dabei in diesem Zeitraume von 2 920 000 Tonnen?)
auf 18 112 000 Tonnen?i, die Gesamtrübenzuckergewinnung von
1051000 Tonnen?) auf 8 896 000 Tonnen?) gestiegen. Mit anderen
Worten: Die deutsche Zuckererzeugung betrug im Jahre 1912/13
rund ein Siebentel der Gejamtwelrerzeuguug und nahezu ei» Drittel
der Gesamtwelterzeugung an Rübenzucker. Vergleicht man den durch
schnittlichen Zuckerverbrauch auf den Kopf der Bevölkerung in
9 Statistisches Handbuch für das Deutsche Reich S. 485,
a ) Wörterbuch der Volkswirtschaft, Art, Zucker von Mar von Lecket
Bd. I S. 1469.
3 ) Rarhkes Adreßbuch der Zuckerindustrie S. XVlll.