Weiterbildung der religissen Ideen, soziale Revolution. 348
revolutionären Elemente ist Franken, von jeher die besondere
Heimat des Reiches. Der Aufstand hatte hier beinahe gleich—
zeitig in der Gegend von Rotenburg ob der Tauber, im Oden⸗
wald und am mittleren, heute württembergischen Neckar be—
gonnen; allenthalben hatte man in den letzten Tagen des März
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sich die Bewegung bald mehr im Westen, in der Gegend von Heil⸗
bronn. Freilich kam es auch hier, wie auch sonst zumeist, nicht
zu großen kriegerischen Thaten; die bäuerlichen Empörungen
verliefen ganz allgemein weniger im Sinne von Feldzügen, ja
auch nur im Sinne einer ununterbrochenen Reihe kleinerer kriege⸗
rischer Vorgänge, sondern sie waren vielmehr eine von fort—
währenden Verhandlungen mit den Grundherren und Fürsten
unterbrochene und begleitete langsame Mobilmachung, wie sie
durch das noch immer bestehende freie Waffen- und Versamm—
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Das Besondere der fränkischen Bewegung aber bestand
darin, daß an ihr nicht bloß Bauern teilnahmen. Vielmehr
setzte gleichzeiig mit der Bauernempörung auch eine An—
zahl städtischer Bewegungen ein: hier endlich wurde der zeit⸗
liche Parallelismus der Entwicklung eines revolutionären städti⸗—
— auch
nach außen hin einmal wirksam. Die Bewegungen aber in
Frankfurt, in Würzburg, in Rotenburg, in Heilbronn und in einer
Reihe anderer Städte waren diesmal bereits wiederum mit
veranlaßt durch die Fortschritte der schwärmerischen Ideen
gerade unter den kleinen Leuten, den Gärtnern, Rebleuten,
Handwerkern der Städte. Schon längst waren diese, großen⸗
teils von Böhmen her, sektiererisch angesteckt. Jetzt lauschten
sie mit besonderer Andacht der Kunde des Heils, die ihnen im
Osten namentlich von Süddeutschland her, im Westen, besonders
in Frankfurt, durch mitteldeutsche Flüchtlinge der Schwärmer,
z. B. Karlstadt, vermittelt ward. Und indem sie sich diesen Ein—
drücken hingaben, indem sie das dumpfe Grollen der schwäbischen
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