316 Dr.-Ing. Bredow:
hängt, so daß Deutschland durch diese feindlichen Maßnahmen beinahe
völlig von der übrigen Welt abgeschnitten war. Trotz dieses starken
Drucks von außen, der sich von Jahr zu Jahr steigerte und das deutsche
Wirtschaftsleben bis auf den Grund erschütterte, gelang es doch,
während der gesamten Kriegszeit den Verkehr mit dem Ausland über
die neutral gebliebenen Länder einigermaßen ordnungsmäßig, wenn
auch mit wesentlichen Einschränkungen, aufrechtzuerhalten. Von
größter Wichtigkeit für Deutschland wurde der gleich zu Anfang des
Krieges zwischen der deutschen Großfunkstelle Nauen und der amerika-
nischen Großfunkstelle Sayville eingerichtete Nachrichtenverkehr,
ebenso wie die etwas später geschaffene Verbindung zwischen der
Funkstelle Tuckerton bei New York und der von der Hochfrequenz-
maschinen A,-G. (Homages) betriebenen Funkstelle Eilvese bei Han-
nover, Dies waren die beiden einzigen Verbindungen nach Übersee,
durch die es Deutschland möglich war, seine Nachrichten über die Vor-
gänge innerhalb Deutschlands und auf den Kriegsschauplätzen an das
anfangs noch neutrale Amerika gelangen zu lassen. Dadurch, daß
Amerika zu Anfang des Jahres 1917 an die Seite unserer Gegner trat,
wurden wir dann auch dieses letzten Verbindungsmittels mit dem über-
seeischen Ausland beraubt. Außerordentlich nützliche Dienste hat uns
während des Krieges auch ein auf Anregung deutscher und spanischer
Handelskreise im Jahre 1916 eingerichteter Funkverkehr zwischen
Königswusterhausen und Carabanchal (später Aranjuez) in Spanien
geleistet. Diese Verbindung, die anfänglich nur unter den durch den
Kriegszustand unvermeidlichen Einschränkungen betrieben werden
konnte, wurde später erheblich erweitert und dann in einen heute noch
bestehenden regelmäßigen Nachrichtenbeförderungsdienst übergeleitet.
In bezug auf die Funktelegraphie während des Krieges sei hier ganz
allgemein gesagt, daß sie als internationales Nachrichtenmittel natur-
gemäß während dieser Zeit stark eingeschränkt werden mußte, dagegen
wurde sie um so mehr für die Zwecke der Heeresleitung zur Verbindung
der einzelnen Kriegsschauplätze und für die militärische Nachrichten-
übermittlung allgemein im weitesten Maße benutzt. Die hierüber
gesammelten Erfahrungen waren für die Weiterentwicklung des gesam-
ten Funkwesens von größtem Nutzen, und die in der Kriegszeit erzielten
Erfolge haben bei der späteren Heranziehung der Funktelegraphie als
Nachrichtenmittel für den allgemeinen internationalen Verkehr eine
bedeutende Rolle gespielt,
Nach Beendigung des Weltkrieges
machten sich die Mängel der durch die jahrelange äußerste Belastung
und nur ganz notdürftige Instandsetzung sehr in Unordnung geratenen