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kamen z. B. in Liebstadt, das 1806/7 wie die ganze Gegend an der Passarge
besonders gelitten hatte, nur 16 Einwohner Netablissementsgelder. Die
Städter beklagten sich bitter über die Bevorzugung des Adels. Die Ver
heerungen des Krieges lagen in den Städten weniger sichtbar zutage, aber
Handel und Wandel litten schwer unter der finanziellen Belastung, die der
Krieg gebracht hatte. Betrugen doch allein die Einquartierungskosten der
Stadt Elbing über 10% Millionen Taler! Wohl befahl eine Kabinettsordre
vom 23. Juni 1814, einzelnen bedürftigen Städten aus den Erträgnissen
der Kommunalakzise Beihilfen zu gewähren. Aber diese fielen gerade
in Ostpreußen geringer aus als anderwärts, da der größte Teil des Fonds
— 93000 Taler — zur Verzinsung der Königsberger Stadtobligationen
verwandt wurde, jener Kriegsschuld aus dem Jahre 1807, für die außer
Königsberg auch andere Städte der Provinz hatten bürgen müssen^).
Das Königsberger Kriegsschuldenwesen ist ein trauriges Kapitel
in der Geschichte des preußischen Retablissement. Im Jahre 1807 hatten
die Franzosen der Provinz Ostpreußen eine Kontribution von 8 Millionen
Franken, der Stadt Königsberg Naturallieferungen im Werte von 4 Milli
onen Franken auferlegt. Königsberg mußte auch jene 8 Millionen vor
schießen und bekam das Recht, zurDeckung dieser Summe sowohl wie zur Be
zahlung der Lieferungen Obligationen auszugeben. Nach einem Edikt
vom 7. September 1811 sollten sämtliche Schulden der Provinz bis zu
näherer Bestimmung aus den Staatsschuldenfonds übernommen werden.
Die Zinszahlung stockte aber alsbald, und von allen Seiten liefen die Klagen
der Besitzer von Obligationen ein. Erst 1821 ist nach langen Beratungen
im Staatsministerium und im Staatsrat eine endgültige Entscheidung ge
troffen worden: Der Staat übernahm die Schuld von 8 Millionen und die
Zinsreste der 4 Millionen. Diese 4 Millionen selbst aber und ihre künftige
Verzinsung sollte Königsberg tragen. Der Anteil des Staates betrug
2937643 Tlr., der unglücklichen Stadt blieben 1763439 Tlr. zur Last^).
Von 120000 Tlr., die sie jährlich zur Verzinsung und Tilgung aufzubringen
hatte, sollten 66000 Tlr. durch direkte Besteuerung erzielt werden. Als
die Stadtverordneten baten, sie von der Mitwirkung zu entbinden, wurden
ihr Vorsteher und der Verfasser der Eingabe mit strafrechtlicher Verfolgung
bedroht. Die Tilgung ging aber nur sehr langsam vonstatten. Noch im
*) Die Akten überLiebstadt finden fich Geh. St.A.151b XIV. Sectio2Nr.I1.
Liebstadt bekam aus dem Kommunalakzisefonds 1800 und 3000 Thlr.; außerdem
ivurden 1818 Abgabenrückstände im Wert von etwa 600 Tlr. niedergeschlagen. Der
Stadt Heilsberg wurde eine Beihilfe aus dem Kommunalakzisefonds zur Tilgung
ihrer Kriegsschulden abgeschlagen. I. B. Schuckmanns v. 23. Dez. 1822. Geh. St. A.
89 B VI 1. 8. Deutsch-Eylau bekam daraus 3000 Tlr. bei einer Kriegsschuldenlast
von säst 17000 Tlr. I. Kaufmann, Geschichte der Stadt Deutsch-Eylau 1905, S. 113.
2 ) C. O. an Schuckmann, Lottum, Klewitz v. 11. Juli 1822. Geh. St. A. 77.457. 4,