M Site, Geburtenrüdgang und Sozialreform ;
wir haben aud) wieder mıit den Heinen Dingen rechnen und der ge-
waltigen Anteil, der der Hausmwirtfchaft, der Frau
indernationalen SolkzwirijhHaftgebührt, ridhtıger
zinfdäßen gelernt. Was die Frau im Haushalte tagtäglich an
Pfennigen und SGroldhen durch unzwedmäßige Verwendung verihwendet
ader aber durch Umficht und Tüchtigkeit im Wert erhöht, Jwummiert fich in
der nationalen Wirtjdhaft zu Hunderten von Millionen Mark. Mehr aber
uod) werden unfere Krieger jeelijdh empfinden, was Ihnen die Frau und
Mutter und Schweiter gewefen find und fein werden, wenn die Gloden
zum Frieden läuten. Umgekehrt werden und follen aber auch die Frauen
ic ihres hohen Wertes und ihrer großen Verantwortung für das wirte
ichaftlidhe, gejundheitlidhe und fittlidhe Wohl und Gedeihen der nationalen
Semeinfhaft neu. bewußt werden.
Dieje Wendung der Anfjdhaunungen muß aber praktifdhe Folgen zeitigen.
Diefes um fo mehr, al leider die Erfahrung gezeigt Hat, daß unjere Frauen
in den neuen gefteigerten Anforderungen der Kriegszeit vielfach ihren Yuf-
gaben nicht gewachjen waren, ja zum Teil volljtändig verfagt Haben. Tros
beiten Willenz find die umfajjenden Vorträge, Kurle und Belehrungen
beim Beginn des Krieges über „Kriegsernährung“ ohne wefjentlidhe Wir-
kung geblieben. Sie fammen eben zu jpät. € jehlten die elementaren Vor-
fenntniffe über den Nährwert der Nahrungsmittel, zwedmäßige Zufjammen-
ießung, die verdaulidhe und gefmadvolle Zubereitung unter entiprechendem
Wechfel der Speijen und eine entiprechende Darreihung. Bei Umlicht,
‚Sleiß und Züchtigfeit läßt jih auch niit einfaden Mitteln ein nahrhaftes,
wohl hmedendes und bekömmliches Ejfjen bereiten, während beim Mangel
viejer Kenntnijfe immer wieder durch Kartoffeln, Butterbrot und Kaffee,
oder auch, Joweit die Mittel reichen, durdh reichliche Verabreichung von
Sleifch und Wurft nachgeholfen werden muß. So ft e8 Legreiflid, daß
dei demjelben Einkommen die eine Familie glüdlid und zufrieden lebt
und noch eine blühende Kinderfchar großzieht, während in der andern fiet3
Unzufriedenheit und Schulden hHerrichen und das eine oder die zwei Kinder
das Bild der Unterernährung und Vernachläffigung bieten. Die Frage der
echten Ernährung it zu einer Wifjen]Haft geworben, deren praktiidhe Ex-
zebniffe auch bis in die Küche des Boltes reichen müffen. Yre rechte Ber-
wendung ijt eine eben]o wichtige wie [dmwierige Kunft. Diefes um fo mehr,
ie befchränkter die Mittel und die Auswahl der Nahrungsrohijtoffe Hd.
Da reicht die Hergebrachte Haushaltungs- und Kochkunde, wie fie von den
Eltern vererbt Üt, nicht aus. Noch [GHlimmer aber {teht e8 in den Familien,
mo e5 Überhaupt Feine Tradition und Sitte in der Führung der Küche mehr
gibt, oder wo gar die Frau wohl e8 verfteht, in Fabrik und Kontor oder gar
auf dem Kutfdherbod verhältnismäßig reidhlidh zu verdienen, aber fich nie
um Einfaufen, Kochen, Baden und Cinmachen bekümmert hat.