D. Bekämpfung des Gehurtenrüdganges 95
Menn bürgerlidhe Hausfrauen und Männer fih hier und da entriüften über die
„Berfgtwendbung“ in den Arbeiterfamilien, und zum Criwveis deffen darauf Hinweilen,
wie 3. B. diefe und jene Bauarbeiter fhon morgens beim Frühftüd reichlig Wurft und
Köfe uf. verzehrten, oder Arbeiterfranen es feien, weldhe auf dem Markte die erftert
irilgden Gemüfe Iauften — Genüffe, die fie fi verfagen müßten, fo würden fie, wenn
‘je aud) einmal das armfelige, eintönige Mittageffen diefer KXreife jehen würden,
nieifteng milder urteilen. Sie würden erkennen, daß die Saupturfadhe diefer „Ver-
ichmwendung“ in dem Mangel jeglider Kodh- und Haushaltungskiunit der Frau liegt,
und daß eher Mitleid und Hilfe als Anflage am Plage ift.
Was von der Bereitung der Nahrung gilt, gilt nicht minder von der:
Krankenpflege, der Verjorgung der Wöchnerin, der Säuglingspflege, der
Kindererziehung, der Ordnung, der Reinigung und Lüftung der Zimmer,
der Behandlung der Wäjdhe uw. Daß alles diefes in der rechten Weife mit
Umnficht und Eifer gefdhieht, bedingt aber ent{heidend das gejundhHeitlidhe
Wohl von Eltern und Kindern, das wirtjchaftlidhe SGedeihen, die fittliche
Kraft, das Glüc und die Zufriedenheit der Familie und damit des ganzen
Wolkes. Diefe einfache Betrachtung der Dinge ergibt au, daß SGejundheit,
wirtJhaftlider Fortjdhritt und Lebensglü noch viel mehr in der Hand
der Frau als des Mannes liegen und daß nicht in erjter Linie die Höhe des
Einkommens des Mannes, als vielmehr das, was die Frau aus diefenı hHer-
au&zuholen weiß, für den Wert derjelben entfheidend ift, Daraus ergibt
Jidh aber weiter, wie bebeutungsvoll die Frage der rechten Ausbildung der
Frau au für die Ernährungsmöglichfeit und die Bereitwilligkeit einer
Bermehrung der Kinderzahl in die Wagfchale fällt, und daß die Bevölke-
rungs- wie Sozialpolitik in gleidher Weife in der Forderung einer gründ-
lichen zeitigen VBorbildung der Hausfrau und Mutter zujammentreffen.
Schon in der Bollsjhule nıınß der ganze Unterricht und die Erziehung
von diejem Gedanken getragen fein. FJın Neligionsunterricht, in den Lefje-
Hüden und Auffägen, in Naturlehre, dem Rechnen ufw. jollen Beifpiele,
Stoff und Anwendung entfprechend gewählt werden. Dann muß aber auch
Hr fpezielle Haushaltungskunde eine angemefjene Stundenzahl beftimmt
werden, zugleich mit praktificdhen Unterweifungen. durch eine Fachlehrerin.
Diefjer theoretijhe und praktijdhe Unterricht ijt ja Heute {Hon für die Hand-
arbeiten: Nähen, Striden, Fliden, Stopfen, Zujhneiden ufw. üblid) und
bedarf nur noch einer gründlichern Durchführung. Er muß au) das Ordnen
des Haufes, die Behandlung der Wäjdhe, die Führung eines Saushaltungs-
buches: Einkauf, Anleitung zur Sparjamfkeit in der Wirtichaftsführung
uf. umfaljen. Aud) der Kochunterricht ijft {[Hon in einer großen Zahl
von Städten in den Oberklaffen der Mädchenfchulen eingerichtet und {tr
mit viel Liebe und hohen Koften durchgeführt, aber immer ijt e8 noch ein
jebr geringer Prozentfag der Mädchen, der erreicht wird. Gier Hit das
dringendite Gebiet unıfaljender Zürforge. Desgleihen muß aber auch die
Rranken: und SänualinagsSpileae in ihren elementariten Joruten,