Full text: Geburtenrückgang u. Sozialreform

Hige, Geburtenrüdgang und Sozialreform 
einbezogen werden. Die Säuglingspflege ijt 3. B. in Nordamerika {horn 
in weitem Umfang in dem Vollsfhulunterricht aufgenommen. Diele 
Unterweijung it zweifellos leichter, liegt dem Kinde näher als der Koch- 
unterricht. Cine Puppe erjegt das Kind, Joweit nicht eine Säuglingskrippe 
und die eignen GefHwijter Gelegenheit zu praktijcher Anlernung bieten. 
Was für die Mäddhen der Voltsjhule billig, {ft für die Schülerinnen der 
3öhern Zöchterjhule erft recht gefordert. Die ganze höhere Bildung der 
Möbhdhen bedarf nach diefer Richtung einer gründlidhen Umbildung. € foll 
recht nachdrüdlich mit jeder Zimperlichkeit aufgeräumt und ihnen recht Har 
gemacht werden, daß auch für fie das erfte und würdigjte Ziel ift, felbit 
Viutter zu werden oder felbjtlos ihr Leben in den Dienft der Mütterlichkeit 
ir andere einzufjegen. E ijt auch für die fittlidhe Erziehung gut, daß fie 
aus den Höhen jHmwärmerifjdher Romantik und den Niederungen Jinnlicher 
Phantafien auf den Boden gefunder praktijher Betätigung in der Familie, 
gegenüber Eltern und SGejHwijtern, geftellt werden und dabei auch zeitig 
Einblide in die Kämpfe und Sorgen und Nöte ihrer ärmern Mitmenichen 
gewinnen. 
Die Häusliche Ausbildung in der Schule Kommt indirekt auch der Familie 
der Eltern zugute. Mandnnak wird das Kind hier ummwandelnd einwirken. 
Öfter aber wird e8, aus der Schule entlaffen, die empfangenen guten 
Lehren und ihre Übung hald wieder vergefjen. Deshalb wird der Unterricht 
in der obligatorifden Fortbildungsfihule feine Fort. 
lebung, Vertiefung und Ergänzung finden müffen. Freilich wird der Weg 
Dis zu diejem Ziele der allgemeinen Pflihtfortbildunasichule Für Mädchen 
wohl noch etwas weit fein. 
Wie wenig bis Heute gefdhehen ift, ergibt fid 3. B. für Preußen wie folgt: Staat 
ie und vom Staat unterftükte gewerbliche und hauswirtidhaftlide Fach- und Fort 
ildungsfhulen für die weibliche Jugend (ohne die 80 kaufmännifchen) gab e& 1914- 
129 mit 11369 Schülerinnen, Dazu kamen (1913) noch 283 ländlidhe Haushaltunas 
dulen und etwa 1000 Kurfe (mit 16 345 Kurfusteilnehmerinnen). 
Sedenfalls ift die Zahl derer, die fich bisher Ddiefes Unterricht? er 
jreuten oder in den nächijten Jahren erfreuen werden, weit geringer als die 
Millionen, die jeder gründlichen Durhbildung ermangeln. 
Für alle diefe muß durch freie Unterridtzkurfe, Wander 
DaushHaltung3fHulen (namentlich auf dem Lande) gejorgt wer- 
den. Hier werden von den Gemeinden und Kreifen große Mittel 
zur Verfügung geftellt werden müjfen, und auch der Staat wird mit 
Bufchüjlen nicht geizen dürfen, Für die, welde nicht auf ihrer Hände Arbeit 
angewiejen jind, jind Haushaltungzspenfionate und Haus- 
Haltungs]Hulen (mit vollem Tagesunterriht) möglihH und richtig. 
Sl die befigenden Kreije wird diefe Ausbildung auf erweiterter Grundlage 
aufgebaut werden müifjen und zugleich eine Ergänzung dahin finden, daß 
much die Betätiqauna auf fozialemundcaritativem Gebiete 
37)
	        
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