D. Setämpfung des Gehurtenrüdganges 97
Berücfichtigung findet.1) Mehrfad, 3. B. in Cöln, München, find Ichon
ntjprechende Anftalten inZ Leben gerufen.
Die beite praktijdhe Schule bietet der Häuslige Dienft unter
der Anleitung und dem Beifpiel einer tüchtigen, jelbittätigen Hausfrau.
Bier febt fich die Theorie in die praktijdhe Arbeit um. € ft Unhauungs-
unterricht zugleich mit praktijcher Übung. E83 tritt jeden Augenbli vor
Augen, daß Ordnen, Disponieren, „Haushalten“ mehr it als die Auzübung
der einzelnen Hantierungen: Wajchen, Kochen, Fliden ujmwm., und daß Die
itetige treue Bilichterfüllung und die Liebe zum häuslichen und Mutter-
beruf nocd) wichtiger ijt al8 das Können. Diejer Anfhauungsunterricht
9at Bedeutung für Gebildete und minder SGebildete. Bor allem aber wäre er
für unfere Lohnarbeiterinnen wünfdhenzwert. CE ift eine allgemeine
Erfahrung, daß Dienfimäbhchen fi als Arbeiterfrauen meijtens beffer
bewähren als Fabrifarbeiterinnen, weshalb fie auch meijtens von Unter.
beamten und ernjtiern Arbeitern bei der Wahl einer Lebensgefährtin
bevorzugt merden. Vorausjekung it freilich, daß das Dienjimädhchen auch
zu allen Arbeiten Gelegenheit und Anleitung findet und zu Sparjamfkeit
ımd Heiß in der Hauswirt{haft angehalten wird. Dienft in einer Haus-
haltung, in der aus dem vollen gefhöpft wird, Kann au mehr Ihaden
al3 nüßen, indem die Dienjtmäbhcdhen an eine Verfhmwendung gewöhnt
werden, die im |pätern eignen Haushalt zu Konflikten führen muß.
Die Hauptfhwierigkeit der Häusliden Borbildung liegt darin, daß ihre
Dringlichkeit gerade von denen am wenigjten gewürdigt wird, die, ihrer anı
meijten bedürfen. Der bare Verdienft wird Höher ge[Häßt als die Wohl-
tat des Unterrichts. Mangelndes Pilichtgefühl, faljdhe Scham vb des Unge-
Ihids, Bergnügungsfucht ujmw. Halten von der Teilnahme an ent}predenden
Surfen ab. Auch Prämien vermögen felten diefen Widerftand zu über-
mwinden. So bleibt auch hier eben nur der Weg des gefegliden
3wanges aud) für die, weldhe durch die PflidhtfortbildungsjhHule
nicht erfaßt werden, wenn etwas Durchareifendes erreicht werden foll.
Angejichts der ftatijtijdh fefjtgeftellten Tatjache, daß von 100 weiblichen
Berjonen, die das 40. bis 50. Lebensjahr erreidhen, rund 81 den entjqHei-
dungsvollen Weg zum Standesamt gegangen find,2) muß allgemein geforgt
werden, daß neben der gewerblidhen Ausbildung auch der dringendften
Borbilbung für die Erfüllung der kommenden Familienpflidhten nicht
vergeffen wird, Diejes wird am beiten dadurch gefichert, daß von jedem
Möädhchen, das gewerblid befchäftigt wird, der NahHweiz eines
Mindeftmaßesent{predender Au3zbhildung vor Zurüd-
lequna bes 17. Zebensiahres verlanat wird. Damit mürden auch die
» Zie fe, Das HauswirtighHaftlihe "Bildaunasweien in Deutfdhland. DM Sladba G
1910, Vollsvereins: Verlag,
2 Onanud: @ühne 24
Hipe Gehnrtenrüdaana und Sozialreform 2