D. Bekämpfung des Gehurtenrücganges 109
geführt. Allein in Preußen unterftanden (1916) nicht weniger als 56 267
Böglinge diefer Fürjorgeerziehung, die nicht weniger als 18 Millionen
Mark erforderten. Durch VBerbefferung des VBormundfchaftstvefjens, Aus-
Gau der Yugendgerichte ufjw. find mandje FortjeHritte erzielt, Wber das
jind alles Maßnahmen des Notbehelfs, während es doch viel wichtiger
it, die normalen Verhältnijje des Lebenz gefund zu erhalten und folche
lebten Notbehelfe möglihit zu verhüten. € gilt, auch für die breiten
BoltsfhHihHten ähHnlidhe erziehlidHe Aufficdhtsinftan-
zen zu |qQOaffen, wie fie für die gebildete Jugend in
ihren Bildungsanftalten gegeben find: Jugend{Huß- oder Jugend-
pfleae- oder kırz „Jugendämter“ oder wie immer wir fie nennen
wollen. 218
Aufgaben der Jugendämter
ergeben fi etwa folgende:
a) Beratungund Unter tüßgung der Eltern inihren
Erziehungsaufgaben. Unjere Zeit Hat für alle mögliden Nöte
und Schwierigkeiten des Lebens wohlwollende VBorforge getroffen: Rechts:
jhuß« und -ausfunftsitellen, FJürjorgeftellen für Qungenkfranfe, für Al-
fohol und Gefhlechtsfranke, für Mütterberatung, Für Säuglingspflege
uf. Mer für die Nedhtsfragen und fittliden Notjtände des Zamilienlebens,
bie doch tiefer eingreifen in unfer Volfsleben und vielfadh die Urfachen
der durch obige Fürforgeftellen befämpften Übel bilden, hat man bis Heute
noch nicht? Derartiges gejhaffen. In der Erwägung, wie wichtig die rechte
Beratung und Mitwirkung der Eltern ijt, hat man Elternabende
tür die Eltern der Volksjchüler wie auch der hHöhern Schüler eingerichtet,
die fich beitenz bewährt Haben. Mit der Entlafjung aus der Schule wachien
aber doch die Schwierigkeiten für die Eltern, ihren erziehliden Einfluß
in der rechten Weife durchzujeken. Man hat „Berufsberatung s-
jtellen“ für die Schulentlaffenen eingerichtet — gewiß mit Necht, aber
die Berufswahl ift doch nur eine und vielleidht nicht einmal die jHmierigite
und entidheidungsvollite der zahlreidhen Fragen, die den Eltern für die
fritilchen SYahre der Jugendlidhen obliegen. SGewip würden einfichtige
Eltern dankbar fein, wenn ihnen in Borträgen über die rechte päda-
gogi[de Behandlung der Herantwvachjenden Jugend, die Schwierigkeiten der
Erziehung, die Gefahren, die der GefundhHeit und Sittlichteit der Jugend
drohen, die Mittel der Bewahrung, die Pflege der Bildung ufw. die Wege
gezeigt mürden, ihre Kinder einer glüdlidern Zuhunft entgegenzuführen.
Diefe Belehrungen für die Eltern fönnten durch entjprechende Vorträge
und Schriften für die Jugendlichen ihre Ergänzung finden. Dem Jugend-
amt mürde es leicht fein, für foldje Vorträge die beiten Kräfte zu gewinnen.
Nichtiaer aher würde die Einzelberatuna in Sprechitunden ein.