Full text: Geburtenrückgang u. Sozialreform

116 GHige, Gebdurtenrüdgang und Sozialreform 
Ynftanz, wie wir fie im Jugendamt |Haffen möchten, nicht austommen. 
Hier find erft recht die Fragen mit der (Oablonenhaften Bemejfung von 
Maß und Zahl der Wohnräume ufmw. nicht er[höpft. Wenn bei jedem neuen 
Anfömmling der Familie die Gefahr droht, daß fie umziehen oder neu 
bauen muß, fo wird das nicht auf Vermehrung der Geburten hinwirken. 
Umgefehrt dedt eine Wohnung, die für das einziehende junge Ehepaar 
ausreichte, nicht mehr das Wohnungsbedürfnis bei 5 oder 10 Kindern. 
Auch bier bedarf e& des teilnehmenden Ausgleichs. Auch bei DurHführung 
des Vollsfchulzwanges wird, fo will e& ung oft [Heinen, 3. BD. bei Krank- 
heit, hoher Schwangerfchaft, Wochenbett der Mutter, Kränklichkeit der 
Rinder, nit immer die Nücjidht genommen, die fidh gebührt. Und was 
die wichtigjte Forderung der jittliden und phyliiden Zukunft unjeres 
Boltes anbelanat: die Bejchränkung der BefhHäftigung der ver 
heirateten Frauen in der Fabrik, [o wird uns erjt recht 
eine hablonenhafte Regelung nicht zum Ziele führen. Das Jugendamt 
würde jedenfalls, Joweit der Pflege bedürftige‘ Kinder in Frage 
fommen, die gegebene Inftanz zum Ausaleidh der wirtichaftlichen und 
üttliden Interefjen Darftellen, 
Die bisher erörterten Aufgaben des Jugendamtes bewegen jich im 
Rahmen des Schubes der Jugend gegenüber dem Arbeitgeber. Leider 
find e8 aber auch mandmal die Eltern felbit, die fidh grobe Ausnukung 
oder Bernachläffigung ihrer Kinder zujHulden kommen lajffen. Auf Grund 
der Erhebungen über die gewerblide Kinderarbeit find deshalb mit voller 
Überlegung die Beftimmungen des Kinderfhubgefeßes auch auf die Be- 
ihäftigung der eignen Kinder ausgedehnt. Soldhe mipbräuchlidhe YAus- 
nußung der zarten Kinderkräfte kommt aber nicht minder in allen Beruj3- 
gruppen vor. Meijtens ft Mangel an Einficht, oft aber auch Roheit und 
Sewinnfucht der Grund. Diefelben Gründe führen aber auch zu fonftigen 
vielfachen Vernachläffigungen, Härten und Mißhandlungen der eignen 
Rinder. Befonder3 {pielt der Alkohol dabei eine traurige Rolle. Cine Fülle 
von Schmerzen, Elend und gefnicten MenfHenglüdes zieht fich durch unfere 
Rinderwelt. Und wie wenig Haben wir un bisher darum bekfümmert! 
Solange e8 nicht. zum öffentliden Ärgernis wird oder zufällig ein Menfdhen- 
jreund oder auch ein widerlicher Denunziant Anlaß nimmt, der Polizei 
Anzeige zu machen, geht diefer ftille Kindermorb durch Überanftrengung, 
Unterernährung, bemwußte und unbewußte Quälerei und Verwahrlofung 
ungefehen und ungerächt feinen Weg. Man denke nur an da3 jährliche 
Majfengrab unferer Säuglinge! It e8 da nicht dringendjte Pflicht der 
Menfhlichkeit und auch der Staatserhaltung, daß endlich eine Hnftanz 
gefHaffen wird, die das wertvollite und edeljte Gut unferes Volkes: unfere 
Rinder, hütet und {Hbt und ihnen aud) biz in die Familie nacdhgeht?! 
Und das nicht al8 volizeiliches Oraan, fondern in menfchenfreundlicher
	        
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