Full text: Geburtenrückgang u. Sozialreform

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D. Bekämpfung des Geburtenrüdganges 128 
ichübenden Elternhaus geriffen. Und was das Schlimmite war: der [Amweren 
fittliden Verantwortung wurde man fich gar nicht bewußt und war erftaunt, 
wie die Erjhütterung der Familie — der Grundlage der SGefelljhaft — 
auch diefe in ihrem Beftand bedroht und ihre Zukunft in Frage jtellt. 
Der jtärkfte Antrieb und der reichite Qohn für die Eltern und insbejondere 
für die Mütter, dem Kinde Leben und Pilege und dauernde innigjte Sorge 
zu fchenken, it der dankbare Blick, die Hndlide Anhänglichteit, die 
Qiebe und Treue des Kindes. In diejer gegenfeitigen Liebe beruht das Glücd 
der Familie, In demfelben Maße, als dieje Gegenfeitigkeit verfagt, als 
die Ausfichten auf diefes Glück, diejen Lohn und deffen Dauer fih mindern, 
wird auch die Bereitwilligteit der Eltern nachlaffen, die Häuslidhe Sorge 
durch ein Mehr an Kindern zu vergrößern. Damit ijt aber auch das gefell- 
IOHafiliche Interejfe und die jtaatliche Pflicht Hargelegt, in jeder freventlichen 
andauernden Berlagung diefer Kindespflicht nicht bloß eine perfönliche 
fittliche Verirrung und ein Unrecht gegen die Eltern, fondern auch eine 
Schädigung der nationalen Sittlichkeit und der Zukunft unjeres Volkes 
zu erbliden und dem mit allem Nachdruck entgegenzutreten. 
Die bittern Erfahrungen, die die Eltern namentlich in den Stäbhten 
mit ihren eignen Kindern erleben oder in den andern Familien tagtäglich 
vor fid) fehen, find unjeres Erachtens neben der religiöfen Erialtung der 
Hauptgrunddez Geburtenrüdganges. Dies gilt nament- 
li jür die Arbeiterkreije, und zwar aus doppeltem Grunde, Einmal weil 
hier vor allem der reichlide Berbienjt der Kinder zu früher Auflehnung 
und Loslöjung vom Elternhaufe anreizt; anderjeitz weil die Arbeiter 
mebr al8 die andern Bevölferungsgruppen a ufden Mitverdienft 
und die Bflege ihrer Kinder in den ältern Tagen — 
troß und neben Alters-, Invaliden- und Witwenrente — ange mwiejen 
find. In demfelben Maße, als die Hoffnung auf diefe Stüge und Hilfe 
fich mindert, werden gerade die ftrebfamften Arbeiter am erften verfucht 
jein, durch reichlidhere Erjparnife für die würbigere Seltaltung des Lebens 
im Alter zu forgen — auf Kojten der Kinderzahl. Umgefehrt wird die 
Sicherheit, mit der die Eltern auf die Unterjtühung ihrer Kinder rechnen 
fönnen, die Freude und Neigung, die Zahl der Kinder zu mehren, er- 
Höhen. Diefje Sicherheit wirkt beffer als alle Br& 
mien auf Geburtenvermehrung. Auch abgefehen von den nicht meß- 
baren idealen Werten, felbjt rein wirtjdHaftlih betrachtet, ftellen diefe 
Beihilfen der erwadHfjenden Kinder zu dem Haushalt 
der Eltern Summen dar, die durH Staatsprämien nie 
erteidt merden Können. Warum nicht hier zuerft zugreifen, wo e8 
fi um die Nächjtverpflidhteten, die Kinder, Handelt, {tatt an die Gemein» 
haft zu gehen? Bei den Heute übliden Söhnen ergeben fih in Familien 
mit mebrern Kindern, die neben dem Bater verdienen und ihren Berdienit
	        
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