Hige, SGeburtenrüdgang und Sozialreform
Sparjamfeit”, eine „organifierte Lebensjicherung“ bildet und fiH bewährt Hat, So
joll jeder Ermwerbende, ob Mann oder Weib, verpflichtet fein, einen beitimmten Prozent-
[aß jeine8 Einfommens in eine „ReidHswohnungskaffe“ einzulegen. Er
[Olägt 5 Prozent vor, Je höher der Prozentfag, um fo fOneller Hört die Sparpilicht
auf. Diele will er etwa mit dem dreifadhen Betrag des IahreseiniommensS begrenzen
bi8 zur Höchftgrenze von 100 000 KM). Bei 5 Prozent [hät er den Zufiuß zur Neichs-
wohnungsSfajfe auf 2 Milliarden jährlich. Mit diefen Mitteln foMlen Heimftätten-
genoffen {haften gegründet werden mit dem Zwede, Land anzukaufen und Wohnungen
zu bauen. Das Land verbleibt der Genoffjen[dHaft, während die „Heimitätte“ in das
Sigentum des Sparer3 übergeht.
Der Gedanke, fpeziell die WohHnungsfürjorge für die fpätere Familiengründung
al8 Ziel der Zwangsfparkaffe Herauszuheben, Hat außerordentlidh viel Sympathifdhes.
Der Gedanke eines eignen Heims übt ja überhaupt eine ftarfe Zugkraft auf das Gemüt
des DeutfhHen aus und würde {o noch tiefer einwurzeln und anderfeitz mit dem Spar-
zivang leichter aus[öhnen. Auch für die allgemeine Förderung der Wohnungsfrage
würden {o auf einmal große Mittel gewonnen werden, — gewiß ein bedeutungsvoller
Sewinn. Diefen beiden Zielen: Erwerb eines eignen Heimes und FHHüfligmadhung
von Mitteln für die allgemeine Hebung der Wohnungsverhältnifje kann aber auch ber
befürtwortete allgemeine Sparziwang ohne Spezialifierung des Zwedes dienftbar
gemacht werden. SGewiß würden jedem Sparer die gefperrten Beträge fofort zur Ver.
fügung geftellt merden, wenn er fie in zwedmäßiger Weife für den Erwerb oder Bau
einer Wohnung verwendete. Chenfo Könnte es fogar gefeglid) oder dırrch Sagıung feft-
gelegt werden, daß die angelammelten Spareinlagen in erfter Linie dem Wohnungsbau
nugbar zu machen feien. Wogegen wir Bedenken Haben, ift die einfeitige Betonung
und Fejtlegung des WohHnungszieles. Man kann den Erwerb eines eignen Heimes
nicht al3 ein abfolnt notmendigeS allgemeines oder auch nur al3 dringendftes Bedürf:
nis für das zukünftige Familienleben Hinjtellen (vgl. unten XVI). Jedenfalls find
Nahrung und KMeidung ujw. bei großer KNinderzahl noch notwendiger als ein Eigen-
heim. Wohl Kann gegebenenfalls die Aufbringung der Miete als gleichhwertiges Bebürf:
nis gelten, aber diefe wird ja durch die oben gezeichnete Sparpflicht au gefichert.
Anderfeits ift aber die Begrenzung des Sparzieles auf die Mietzahlung während der
Fritilchen Jahre der Familie wieder zu enge. ES muß der Jugend HNargemacht werden,
daß in den Yahren auch die fonjtigen Lebensbedürfniffe ftark fteigen und fie dement-
Ipredenbd jparen müffe.
Die Bedeutung des Sparziwanges liegt nicht jo fehr in den Summen,
die durch den Zwang fejtgelegt werden, als in dem erziehliden
Wert. Sit einmal das erfte Sparbuch angelegt, fieht der Sparer, wie die
Cinlagen fi mehren und wie au) ohne bejondere Opfer durch die tag-
tägliche umjfichtige Überlegung und Selbjtheherr{hung fih von felbit
Nidel in Silber und Gold verwandelt, dann gewinnt er Freude am Sparen.
Diefe vermehrt aber wieder den Arbeitseifer, den erniten Häusliden Sinn,
Strebfamfkeit und Charakterftärke. Alles das Iommt zunächft auch dem Eltern»
Haufe zugute, € wird fich beftätigen, was Heute [Hon die Erfahrung lehrt:
daß in den Familien am meiften Glik und Frieden wohnt und das Wohl
von Eltern und Kindern am heften gedeiht, in denen die Eltern wie die Kinder
je ir Sparbuch haben und in friedlidher Verftändigung fihH in den Lohn
teilen. Dazu mitzuwirken it eben die Yufaabe des Jugendamtes, Wenn
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