Full text: Geburtenrückgang u. Sozialreform

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D. Bekämpfung des Geburtenrüdganges 157 
itabt eine {tarie Stübe findet. Mutterfiadbt und Töchterftäbhte leben in 
einem gemeinjamen Gemeindehaushalt; fie erfreuen fid der Vorzüge der 
Sroßitadt und der Landjtadt und ergänzen fi in befter Weije. € ijt der 
sinzige Weg, um wenigjtenZ den Zuwachs der Stähte, vor allem die Kinder 
wieder mehr mit der Natur, mit Light und Luft und der Mutter Erde in 
Berbindung zu bringen und vor der Öbe der Mietkalernen und den Gefahren 
des Großitabtlebens zu bewahren. 
Nach einer Erhebung über das Wohnungswejen in Rreußen, zulammengeftellt 
von Dr Kuczyniki (Breslau 1916, Korn) Haben feit 1901 40 Städte Baugelände für 
Meinwohnungen verkauft, zufammen 125 Hektar im Werte von 9 Millionen Mark. 
3 Städte haben Anftalten für erfte Hypotheken errichtet; 43 Städte foldhe für zweite 
Dypotheken, 18 Städte Grundrentenanftalten oder ähnliche DarlehHnskaffen, 32 Städte 
haben fonitige Gypotheken auf Wohngebäude bhergegeben (im Gefamtbetrag von 18 
Millionen Mark). 45 Städte Haben Bürgidhaften übernommen (30 Millionen Mark), 
3 Stähte gemeinnügige Hypothekenverfidherungsgenoffenfhaften unterftügt, 35 Städte 
Anteiljdeine oder Aktien von gemeinnügigen Bau- und Wohnungsvereinen er» 
wvorben (18/4 Millionen Mark). 
3. Träger des freien gemeinnüßigen WohHnungS- 
baue find vor allem die gemeinnübigen ANktienbaugefell- 
haften und die Baugenoffenfhaften: Eritere bilden die 
ältere Organifationsform und find meijtens von wohlwollenden Arbeite 
gebern in3 Leben gerufen und finanziell getragen worden. Nach dem 
Borbild, wie e& in der „Arbeiterftadt“ in MülhHaujen (Cljaß) vor etwa 50 
Sahren begründet wurde, febten jie fihH zum Ziele, die Häuschen nebit 
Sarten durch einen beicdheidenen Zujdlag zur Miete in etwa 18 vis 20 
Yahren in das Eigentum der Mieter überzuführen. Sie haben Sroßes ge 
leijtet und find fehr verbreitet. Die Baugenoffenfhaften find wejentlich 
Organijationen der Selbjthilfe. Sie bauen teils auch mit dem Biele der 
Figentumsübertragung, zum größern Zeil aber ftehen fie auf der Grund» 
lage des gemeinfamen CEigentumB3, indem fie die Wohnungen 
an ihre Mitglieder vermieten. 
Das Eigenhau3 (mit Garten) ift ein Ziel, für das der deutide Arbeiter feine 
ganze Kraft einfebt. Sein Erwerb ift der befte Anfporn zur Sparfamfteit. ES gibt der 
Familie Halt und Feftigkeit, Hebt und verftärkt das Selbitbewußtfein, das Vertrauen 
auf die eigne Kraft. Der Hauszeigentümer hat etwas zu verlieren, {ft verfettet mit Batere 
land und Heimat; die Kinder Haben ein VaterhHaus, an dem fie mit Dank und Liebe 
hängen. Das find die LidHtfeiten. Dem ftehen aber aud Bedenken gegenüber. Zunäcit 
Jxie Gebundenheit bezüglich Ort und Arbeitöftätte, die damit gegebene Befghränkıng 
in Ausnüßung der Arbeitsgelegenheiten für Vater und Kinder und der Bildungsmög- 
üichfeiten für diefe. Dann die mangelnde Anpaffung an das WohHnbedürfnis, das mit 
ber antwachfenden Kinderzahl fidh fteigert, dann aber mit dem Ausicheiden der Kinder 
ji mieber mindert. Entweder ift das Haus für die mittlern Jahre zu Hein, oder für 
die erften und legten Jahre zu groß, fo daß hier die Verfuchung ftark wird, es durch 
Antermieter und Koftgänger auszunußen — ein Mittel, das recht bedenklich ift. Nicht 
minder befteht die Gejahr, daß bei fteigender Konjunktur oder bei Ausfall im Ver- 
bienft oder im Tobestall das Heint verkauft wird und diefes der Syekulation in die
	        
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