164 Site, SGeburtenrüdgang und Soztalreform
der Verheiratung vorziehen. Für Zugewanderte und foldhe, die keine Fa-
milie Haben, find fie eine Notwendigkeit, und e3 {ft eine wichtige Aufgabe
der Wohlfahrtspflege, die Errichtung und gemeinnügige Führung zu för»
dern. In diejem Sinne Haben auch die Verfidherungsanftalten ihre Mittel
für Ddiejen Zwed (bisher 28 Millionen Mark) in Dienft geftellt.
Bon 8,1 Millionen Haushaltungen 1910 in Preußen waren 6,1 Millionen, die
„ur aus Samilienangehörigen beftanden. 676 000 umfaßten au Dienftboten,
566 000 Gemwerbe- und Arbeitsgehilfen oder ländlidHes Gefinde, 655 000 Zimmer.
1bmieter, Chambregarniften und Schlafgänger.) Die Zahl der familienfremden Per-
"onen (Bimmermieter, Schlafleute ufw., ohne die Dienftboten) ftieg in Deutfchland
on 8,4 Millionen 1900 auf 10,1 Millionen 1905.%)
Die WohHnungsfrage i{t die joziale Frage der nächiten Zukunft. Sie
umfaßt eine Fülle von Problemen, erfordert jo eingehende gefeßgeberijche
und Verwaltungsreformen, beanfprucht aber auch fo dringend ein geord-
nete3 Zujammenarbeiten aller freien Organijationen, daß alles hindrängt
auf die
7. Erridgtung eines ReidHz3zwohnungszamtes. Hier
muß alles Material zufjammenlaufen, hier werden die Probleme unter
Witberatung der Wohnungspioniere im Lande geklärt, die Aufgaben
zwijdgen Reich und Einzeljtaaten verteilt, auch die freien Organifationen zu
jreudiger Mitarbeit herangezogen. Gier werden die gefekgeberifdhen
Borlagen vorbereitet, aber auch ihre Durchführung überwacht und geförs
dert. Daz Reihswohnungsamt würde Ergänzung finden in den Lan de
wohnungämtern und den Wohnungsämtern der Städte und
Rreife.
Ms erfter Beginn zu einem NeihswohHnungsamte follte wenigltens fofort eine
befondere Zentralftelle für die Wohnungsfrage im Reidsamt des Innern
und in den Minijterien der Einzeljtaaten errichtet werden.
Die Wohnungsfrage ijt die ernfte Probe für unfjer Deutfches Reich,
ob der foziale Seift, der in der Novemberbot/haft Kaifer Wilhelms I. und
in den FebruarErlaffen unferes Kaifers un fo mächtig ergriffen und
in den Heldentaten unferes Volkes fidh Jo glänzend bewährt hat, noch leben-
dig und Fraftvoll genug it, dem großen Werke unferer Sozialrteform diefjen
neuen dringenden Bau würdig und ftark einzufügen. Der Reichstag hat
jeinen guten Willen in weitgehenden RMefolutionen unter Gejchloffenheit
aller Parteien wiederholt bekundet: — alle Verantwortung trifit die ver»
bündeten Regierungen und die Landesregierungen.
XYII. Sunere Kolonifation
Was die Landwirt/haft und das platte Land für Bolkund Reich bedeuten,
it un8 durch den Krieg in fühlbarer Weife Har geworden. Zunächft wirt»
Ihaftlich. Mit teilnehmender Sorge durchwandert auch der Stähter heute
1) Breußilhe Statiltilche Korrelpondenz 1916, Nr. 44. %) Borntraeger 145.