Object: Die Nationalökonomie in Frankreich

Wirtschaftliche Ideen- und Tatgeschichte 
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Merkantilismus ist der Ausdruck der Anstrengungen, die ge 
macht wurden, um den Übergang der Stadtwirtschaften in 
nationale zu bewerkstelligen und das Gedeihen der letzteren zu 
sichern. Die verschiedenen und sich zum Teil widersprechen 
den Ideen, die man mit dem Worte Merkantilismus bezeichnet, 
lassen sich in zwei Gruppen zusammenfassen : 1. die Ideen, 
welche sich auf die Währungssysteme und auf das Steigen und 
Fallen der Preise infolge vorhandener Menge von Edelmetallen 
oder eingetretener Seltenheit derselben in einem nationalen 
Wirtschaftsgebiet beziehen; 2. die Lehren von der Bereicherung 
der Völker durch Ansammeln von Edelmetallen, d. i. der Mer 
kantilismus im engeren Sinn. Mit der Idee der Anhäufung von 
Edelmetallen ist — bei den verschiedenen Autoren in verschie 
denem Maße — die der Entwicklung der nationalen Produktiv 
kräfte verbunden. 
Die merkantilistische Theorie ist eine Mischung von wahren 
und falschen Anschauungen. Die reinen Merkantilisten be 
trachten die Edelmetalle als Güter höherer Art. Sie glauben 
an eine Art von Transsubstantiation, infolge der die Edelmetalle 
die Quintessenz aller konsumierbaren Güter in sich konzen 
trierten. In Wirklichkeit sind aber die Edelmetalle nur ein 
nicht konsumierbares Äquivalent, ein Instrument zur Erleichte 
rung des Tauschverkehrs. Darum sind sie nur ein Mittel, nicht 
ein Ziel, geschweige denn das höchste Gut. Es ist auch philo 
sophisch unhaltbar zu behaupten, ein virtueller Zustand eines 
Gutes sei dem aktuellen überlegen. 
Der Gutsbegriff der Merkantilisten ist jedoch nicht einheit 
lich. Sie verstehen unter Nationalreichtum nicht nur die Menge 
der angehäuften Edelmetalle, sondern manchmal auch die Ge 
samtheit der Dinge, die geeignet sind, die Bedürfnisse der In 
dividuen zu befriedigen. Dementsprechend raten sie neben 
Thésaurisation und Sparsamkeit gelegentlich auch produktive 
Ausgabe der Edelmetalle 1 ). 
Über die verschiedenen Verfahren merkantilistischer Wirt 
schaftspolitik urteilt Dubois: Die Maßregeln, die darauf hin 
zielen, die Edelmetalle im Lande zu behalten, sind nicht zu 
rechtfertigen, weil das Ziel ein verfehltes ist. Die künstliche 
') Dubois, loe. eit. p. 264.
	        
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