Hige, Geburtenrüdgang und Soztalreform
lebhaft bekämpft mwurbe, die im übrigen feine fozialen Beftimmungen billigten. Der
langandauernde Krieg Hat mande Bauernhöfe durch Abtwefenheit, Invalidität und Lod
ihres Befigers in Bedrängnis gebracht und wird auch noch in diefer Nichtung weiter
verhängnisvoll nacdhwirken. Das ftellvertretende Generaltommando des 9. Armee:
forp8 Hat infolgedeffen im Einvernehmen mit den Zivilbehörden VBerkäufefoldher
Güter verboten und die zwangsweife BewirtfhHaftung verfügt, um die vor.
:ilige Güterzer[Alagung und die wucherifche Ausnugung der Notlage durch die Güter
(dlächter zu verhüten. Diefe Erfahrungen beweifen, daß die Wiedereinbringung des
preußifdhen Gefegentwurfs in einwandireier Form dringlich ift und daß hier auch die
Tandwirt[Haftskammern wichtige Aufgaben zum Schuge der Invaliden und Hinter-
bliebenen, aber auch im Interefje der Erhaltung diefer Bauernhöfe zu erfüllen haben.
Mit der Erhaltung der beftehenden Örundbefibverteilung ft e8 nicht
zenug, vielnıehr bedarf e3 einer zielbewußten
2. Mehrung und Stärkung des bäuerligen Grund.
befißes und der bäuerlidhen Anfiedlung. Und das {ft
die Aufgabe der fogenannten „innern Kolonifation“. Dieje hat Heute
befondere Bedeutung gewonnen. Was von der Landwirtjchaft überhaupt
gilt, trifft Hier in verftärktem Maße zu. Zunächit vom Standpunkt der
nationalen Ernährung. Der Heine Befiber, der felbjt mit feinen Familien»
angehörigen den Boden bearbeitet, die Saat und Ernte perfönlich mit Liebe
und Sorge Hütet, das Vieh mit eigner Hand pflegt, rinat dem Boden weit
größere Erträge ab als der Befiber, der auf Lohnkräfte angewiefen ift.
3 ijt nicht Zufall, daß 3. B. ein Viertel unferer Schweinezucdht auf die Be-
iriebe unter 2 Hektar und drei Viertel auf f[olde unter 20 Hektar entfallen.D)
Eine umfafjendere Eigenproduktion von Kartoffeln, Gemüfe, Fett, Seil,
Eiern, Mild) ujw., insbejondere auch feitenZ unjerer Arbeiter, würde nicht
öloß das perfönlide Durchalten im Falle von Krankheit, vorübergehender
Arbeitslofigfeit u]. wefentlidh erleichtern, fondern auch für unfere Zukunft
eine umfichtige Vorratswirtfchaft für den Kriegsfall (dur Auffpeidherung
von Getreide, Hüljenfrüchten und fonjtigen unverderbliden Lebensmitteln)
auf8 befte ergänzen. Und was noch wichtiger {ft als die Vorratswirtjhaft
an Qebenämitteln — auch bezüglich der Vorforge von Menichen gilt:
wer eine Kuh oder Ziege im Stalle hat, wer auf eignem Grund und Boden
die dringendjten Nahrungsmittel gewinnt, jelbit ein Schwein {Hlachtet,
lich mit Milch und Eiern verforgt weiß, wer nicht ängltlidH mit den Wohn-
räumen zu tednen braucht, wird auch einem Zuwachs der Familie
freudiger entgegenfehen, alz wer alles gegen bar faufen und voll Sorge
auf den Hausbefiger Nücficht nehmen muß. Da hat der vertrauensvolle
Spruch noch Geltung: Wo fünf Kinder am Tijche figen, ft auch noch für
ein jechjtes und mehr Plas. In Harter Arbeit geftählt, nimmt die Mutter
freudig die Opfer auf [ich, die Schhwangerfchaft und Geburt und die Pflege
der wachlenden Kinderichar mit fich bringen, die aber auch in der Liebe
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) Sigung des Preußbifchen Abgeordnetenhaufe8 vom 25, Oktober 1912, 7211.