D. Bekämpfung des Geburtenrüdganges . 198
Kartoffeln, Gemüfje, Fleifh, Eier, Reis und Graupen
(aus Nücfiht auf die Kinder) und fonftige dringende Lebensbhedürfniffe
unter Bezug und Vorrat im großen die Preife abftufen je nadh den Ein»
fommensverhältnijfen bzw. der Kinderzahl, indem der Ausfall durch die
wirt/Haftlid) Beffergeftellten ausgegliden würde. Dadurch würde dann,
foweit legtere in Betracht kommen, aud) dem freien Handel der Wett.
beiwerb erleichtert. Die Koften und Mühen würden in der Hebung der
Sejundheit und Kraft des Nachwuchles aud) der Allgemeinheit zuguie
fommen.
Wenn wir alle die vorgeführten Maßnahmen der Sozialpolitik vor
unjerm Auge vorüberziehen laffen, fo kann mit Necht die Sorge auf
iteigen, wie bie Mittel gewonnen werden follen für alle diefe Aufgaben.
Und damit kommen wir zu der allgemeinen Frage des Verhältniffes von
Sozialpolitikund Wirt Haftspolitik
Wenn die Sozialpolitik vor allem und in erjter Linie die gerechte
Verteilung und Ausgleidhung zum Ziele Hat, fo ift fie fi doch jeder.
zeit bewußt, daß fih Ddieje nur aufbauen Kant auf der nationalen
Produktion. Das gilt natürlich auch und erft recht für die Sozialpolitik,
joweit fie Jich [peziell in den Dienft der Bevöllerungspolitik {tellt. Um an
das bekannte Bild von Bismardt anzuknüpfen:. ob des Streites um die
gerechtere Verteilung der Eier darf nicht der Verjorgung der Henne vers
gefjen werden, die die Eier legt. Und fo ijt e& aud) gewiß gerechtfertigt,
wenn der Volkswirt auch die kon omifcdhe Seite des Bevölferungsproblems
mit Nachdruck geltend macht, fie Jogar in die erfte Linie rüct. Zweifellos
fann „man mit gutem Willen und Baterlandsliebe allein keine DBevölkerungs-
politif treiben, vielmehr gehört dazu auch die Einficht in die zum Teil recht
Icdhwierigen Zufjammenhänge 3zwilden Wirtfhaft und Bevöllerung“.N
Das anerkennt der Sozialpolitiker gern. Er rechnet eben mit der Vorarbeit
und Mithilfe aud) des Vollswirtes, baut auf fie auf und ergänzt fie.
Umgefehrt foll aber au der Volkswirt nun nicht die ganze Bevöllerungs-
politik zu einem tein öfonomilden Problem Herabdrüden und fich ein»
Silden, der Mitarbeit der Sozialpolitik und der ethijhen Mächte entbehren
zu fönnen. Oft genug haben wir die wirtfHaftliden Schwierigkeiten here
vorgehoben, die unz bevorftehen. Die Überführung der Kriegs in die
Hriedenswirtjhaft, die WiedberhHerftellung und Neueinrihtung der Friee
densinduftrie bringt uns eine Fülle von Problemen. Die Neuorientierung
unferer gefamten Wirt/haftspolitik im Innern wie in ihren Beziehungen
zum Yusland, die Neueinrichtung unjerer Kolonien und der Hoffentlich
) Mombert, Bevölferungspolitit ncH dem Kriege, Nohrungsipielraum und
Bolkswvachstum in Deutfchland. Kriegawirtchaftlidhe Zeitferagen Nr. 2/3 (Tübingen
1916) 66, — Val, au F. Budge, Der Krieg und das Bevölferungsproblem im
„Archiv für Sozielwiffenfhaft“ 1916, Bd, 43, Heft 2.
Ole, Seburtenrüdgang und Sozialreiorm ?