D, Bekämpfung des Geburtenrüdganges 20%
ıögefchieden werden follten, würde fich ein allgemeiner Proteit erheben. Gewicht,
Bruftweite und Muskelkraft und auch die rafliidhe Erbmaffe beitimmen nun einmal
nicht allein den Wert und die Dafjeinsberecdhtigung des Menfchenfindes, {ondern der
Beift oder, wie wir Chriften fagen: die unfterblide Seele, Dement{prechend Können
wir auch nicht denen recht geben, die jedem Menfchen vorfchreiben wollen, wieviel
Rinder er Haben darf und 3. 3. bei einer HEH{tzahl von fechs Schluß machen wollen.
Wo bleibt da die Würde der Che! Gewiß, auch der RafjfenhHygiene [ol ihr Recht bleiben,
und gern anerfennen wir ihre Verdienjte. Wir folgen aud) gern den raffenhygienildhen
Studien und ihren Refultaten und erhoffen davon noch reichen Gewinn für unfere
‚ufünftige Lebensgeftaltung; aber mit der Raffenhygiene und Eugenitk ijt des Menfdhen
BWürde und Recht nicht er[höpft. RaffenhHygiene und hohe ethifdhe Auffajfung in treuen:
Bunde, wie fie 3. B. Profejfor Gruber vertritt, Kann ung allein Höher führen,
Weitgreifender al der Einfluß diejer falichen Theorien ift die Wirkung einer ver
berblidgen Ziteratur und Kun ft. Vor allem find e8& Romane einer gewilfen:
Ridhtung und das moderne ThHeater, die den deutfhen Familienjinn, bie Heilig:
Jaltung bräutlicher Liebe und ehelidher Treue vielfach Iyftematifcdh untergraden. Die
jranzöfiiden Chebruchsdramen find ja, gottlob, feit dem Kriege von unfern Bühnen.
verfchivunden. Immerhin pries man ihren „Eiprit“, der alz Dedung für diefe Pro-
yukte des Landes der Kinderlofigieit diente. Wenn man jekt aber mandıe Theaterzettel
der Großfjtabt lHieft, fo Könnte auch der Ausruf gerechtfertigt erjdheinen: der Spiritus
‚it verflogen, bie — tierijdhe Sinnlichfeit ift geblieben, ES ijt unbegreiflidh, wie unjere
Hriftlichen Väter und Mütter nicht in gemeinjamer Entrüftung ihre Stimmen erheben,
aß man ihren Söhnen und Töchtern foldhes zu bieten wagt! Und das in den hHeroifchen
Tagen des Krieges, angeficht? der Not der Zeit! Mögen doch diejenigen, die [oldher
„Kunftgenüffe“, SHauftellungen, Nadttänze ufw. bedürfen, fich als würdige Genoffen
ner „veredelten“ Kultur und Ethik vereinigen und in gefhloffener Gefeilfdhaft folcdhe
Aufführungen veranftalten, aber man verfhone doch unfere Jugend, deren ungebrochener
ittliden und phyfiflchen Kraft wir noch fo dringend für unfere Zukunft bedürfen. —
Mehr Unheil richtet noch vielfach die Preffe an, weil fie in die weiteften Kreife dringt.
Neben den Inferaten und dem Feuilleton find e8 vor allem die eingehenden Berichte
iber Verbrechen und Gerichtsverhandlungen, die verwüftend wirken. Wenn die Sitten
oolizei fchläft, follte wenigjtens die Gefundheitspolizet eingreifen, damit nicht die ver
peftenden Miasmen der Grofftadt über das ganze Land Hinausziehen. Und wenn
bie fittliden Gefichtspunkte vielleicht weniger gelten follten al8 die wirtfHaftlidhen,
dann [Hüße man menigiteng die anftändige reife vor joldh unlauterer Konkurrenz!
Endlich müffen al3 der Familie feindlidH — wenn auch vielleicht unbewußt — alle
»tejenigen Beftrebungen bezeichnet werden, die auf eine Gleidftellung der
»heligenundunehelidgen Wödhnerinnen und Kinder hinausgehen.
Sewiß, wer möchte lektern Nachficht und Mitleid — nach gefldHehenem Falle — verfagen
and nicht gern mithelfen, fie möglichjt wieder zu vollwertigen Gliedern der men[Hlichen
Sefelljchaft zu erheben, aber dabei muß doch der ethifhHen Würdigung ihr Recht bleiben
and fann die uneheliche Mutter nicht der eheliden gleichgejtellt werden. Aber mande
‚Mutterfhug“ beftrebungen proflamieren den „Schrei nach dem Kinde“ auch al8 außer.
»hHeliches heilige Menfjdhenrecht, und dementiprechend Haben die Kinder der freien
Siebe mehr Anziehung für fie als die der altfränkijdhHen Che. — In dem an fich berech.
Hgten Beftreben, die Seburtenzahl zu vermehren, ift fogar der Vorfchlag gemacht
worden: ?) aus Sffentliden Mitteln im ganzen Lande KinderhHeime zu errichten
und zu unterhalten, denen jede Mutter ohne weiteres ihr Kind oder ihre
Rinder, ob ehHelich oder unehelich, diskret oder offen übergeben kann, mit denrz
') May, N. E in Schmoller8s Sahrbuch 1916, S, 1675