202 GHige, SGeburtenrüdgang und Sozialreform
Kechte, es jederzeit wieder ah [ic zu nehmen. € wird darauf Hingewiefen, daß, nament-
ich infolge des Krieges, [omwohl bei den jungen KXriegerwitwen als aud) bei vielen ledigen
Frauen die Sehnjucht nach einem Kinde groß fein werde, „Braucht der Staat Kinder,
jo foll er fih freuen, wenn diejenigen, die ihre UWufzucht nicht übernehmen Können
und (gemeint ift: oder nicht) wollen, wenigijtens die Bürde auf fih nehmen, fie in die
Welt zu feben.“ „Dann aber muß“, fo fordert man weiter, „auch die Verfemung
der unehelichen Mutter — die ja [Hon im Ausfterben ift — aufhören und an ihre Stelle
bie Dankbarkeit der Gefellidhaft (1) treten.“ Witwen- und Waifenpenfion foll auch auf
den [pätern Nadhmwuchs — ob ehelich oder unehelidh — ausgedehnt werden. Die Wert-
urteile, die auf eine Minderachtung der unehelidhen Mutter und die geringere Wert-
Hägung des unehelidhen Kindes Hinauslaufen, follen durh Einwirkung „von oben“
zuf die Preffe und damit auf die Öffentlide Meinung als „dem Gejamtintereffe
ihädlich“ korrigiert werden. Sollte die „Scheu der eheliden Müliter, ihre Kinder mit
Jen unehelidhen Kindern im jelben Kinderheim aufmachfjen zu Iaffen, dauernd nicht
zu überwinden fein“, fo follen getrennte Kinderheime errichtet werden. CSelbft abge-
“ehen von allen religiös-fittlidhen Erwägungen: ob Autoren, die foldje Vorfchläge
tn allem Ernite vertreten, fih aud der {Hweren Verantwortung bewußt find, daß
ie mit der gefeblidjen Sanfktionierung und prattijgden Ermöglidhung [vl bequemer
Abfchiebung ihrer Kinder auch das Gefühlderelterliden Berantmwor-
{u ng untergraben und damit dem XKindedas Befteund Heiligijte: die
Bflegeder Mutter und den Schuß und das Glüd der Familiengemeinfchaft
zntziehen? Was Heute als erfdhütterndes Ereignis und als [Hmerzlichjte Eindbuße in phy-
‘ilcher, feelifcher, pädagogifdher und ethifcher Beziehung betrachtet wird: der Verluft
von Vater und Mutter durch den Tod, würde damit früher oder [päter für die ganze
deutfche Kinderwelt zur Regel: „Verwanft“ [Hon zu Lebzeiten der Eltern! Begreift
man denn nicht, mas das bedeutet, wenn man dem Kinde ftatt der Mutter eine „Vor
iteherin“ und ftatt des Vater? einen „Direktor“ gibt? Und, von den gewaltigen Koften
zanz zu {Hweigen: weldhes „Material“ würde diefen Anftalten zufommen, — die
Früchte blinder Leidenfchaft, durch keine fittlidhe Schranke oder verantwortungsvolle
Erwägung geregelt! — In ähnlicher Nichtung bewegt [id der Vorfchlag, dem Chemann
mit Genehmigung feiner Frau) eine „Nebenehe“ gefeglidh zu geftatten, — ein
Beweis, wohin eine bloß naturaliltilh orientierte Weltanihauung fih auch Heute
noch verirren Kann I
Die Hochachtung, Erneuerung und Stärkung der Familie muß das
Biel der Neurorientieung im unferm ganzen dffentliden und privaten
Leben bilden. Zunächit in unjerer Politik. Bevölferungspolitik kann
nur Familienpolitik jein. Staat und Perfönlichkeit waren bisher fajt aus»
ichließlid die Pole unferer Politik, während des Zwijdhengliedes — oder
richtiger ausgedrüdt: des MutterbodenS, auz dem beide, Staat und Perfön-
lichteit, erwachten — viel zu fehr vergeffen wurde. Die nächften Jahrzehnte
müffen vor allem auf den Schuß und die Förderung des Familienleben?
eingeftellt merden. Alle Maßnahmen auf wirtjdhaftlidhem, jteuerpolitijchem,
fozialem und ethijdem Gebiete müfjfjen in erfter Linie unter dem Seficht3-
punkt gemwürbigt werden: ob und wie fie dem Familienleben dienlich find.
Das gilt für die Gefjekgebung, aber vielleicht noch mehr für die Berwaltung;
e8 gilt für Neid, Staat und Gemeinde. Jeder Beamte muß fi) von diefen
Yedanken durchdringen laffen und perfönlich wie amtlich fich feiner [Hweren