Full text: Geburtenrückgang u. Sozialreform

204 Hike, Geburtenrüdgang und Sozialreform 
Tat bewahrheiten. Selbft frei von den taufend Eorgen und Nöten der eignen Familie, 
Joll der Seelforger al8 Vater die Nöte und Schmerzen aller, die ihm anvertraut find. 
mittragen Helfen. Schon die feelforglihen Beziehungen: Trauungen, Taufen, Yırs- 
legnung ber Wöchnerinnen, Krankenbefuche, Verfehgänge, Begräbniffe fm. geben 
An8 fo danfbare Anläffe zur Bekundung der Teilnahme, Gott fei Dank, erfreuen wir 
ang ja aud) des befondern Vertrauens aller derer, die in Bedrängnis find; fo gewinnen 
wir Einbkid in das Ringen und Kämpfen, in alle Geimiuchungen und Schwierigkeiten, 
Jie den KHinderreiden Familien erwacdfen. So werden wir auch leicht das rechte Wort 
Anden, ihre Einficht und ihren Willen durch die Kraft und den Troft der Religion zu 
tärken. 
Über nicht bloß in der Seelenführung und im perfönliden Verkehr muß diefe Teil- 
nahme fi) betätigen, fondern auch im ganzen Sffentligen Auftreten und Yun. Die 
Hef dankbare und pietätvolle Erinnerung an unfer Elternhaus wird dem Worte edle 
Begeifterung leihen, wenn wir Bedeutung, Würde, Glüd und Pflichten des Familien- 
lebens Jhildern, Und welche Fülle der Anregungen bieten ung da nicht die idyllilden 
Schilderungen, die edlen Geftalten und die frohen Verheifungen des Alten Teltament3. 
Und ift nicht das ganze Kirchenjahr, insbefondere die heilige Weihnachtszeit vom Advent 
bis zur Haftenzeit eine fortlaufende Reihe anfpredjendfjter, ergreifendfter Familien- 
laenen, Bilder voll Kindlidher Unfhuld und idyllildHem Liebreiz, aber auch Bilder voll 
Kraft, Seelengröße, Opfergeift und erfhütternder Tragik, Wie finnig und ergreifend 
jat die Hriftlidhe Kunft daz Leben der Heiligen Familie zu Nazareth, die Lehr. und 
Beidenstage des Herrn inmitten feines Volkes mit all ihren Familienfreuden und 
‚forgen ge[hildert. Welch fruchtbare Quelle für Predigt und Katechefe zur Verherr- 
[dung des Familienlebens! Und ift e8 nicht von tief pfyqdologilcher Bedeutung, daß 
gerade die Feite der Mutter Jefu: Empfängnis und Geburt, die Verkündigung des 
Engels an fie, Marias Befuch bei SlifabethH — Maria und Elifabeth, die Patroninnen 
der hHoffenden Mütter! — die Darftelung ihres Kindes im Tempel, die Pilgerfahrt 
mit dem zmwölfjährigen Jejus nach Jerufalem, dann aber die furchtbaren Leidens 
zenen: Maria unter dem Kreuze, die Beweinung ihres Sohnes (Kiet2) u. a. in dem 
Derzen unferes Bolkes fich fo tief eingelebt haben? 
Die Gelegenheit zur Vertiefung und Konkreten Musgeftaltung diefer Gedanken 
bieten un3 bie Müttervereine. In den regelmäßigen Verfammlungen der 
Mütter (außerhalb der Kirche) Können unter Mitwirkıng von Haushaltungslehrerinnen, 
bes Arztes aufm. auch die praktilhen Belehrungen über die Pflichten der Hausfrau 
wnd Mutter, über die rechte Erziehung, über Säuglingspflege, über Haushaltungswefen, 
Stillpflich‘ und Krankfenfürforge uw. gegeben, und durch praktiihe Kurfe ergänzt 
werden. Uuch in den fonfjtigen Standesvereinen: Arbeitervereinen, Frauenbund uf{w., 
z Samilienabenden foll der Sinn für die Familienpflege: Unterhaltung, Lektüre, 
Spiel, Gefang, Sausmufikf, WoHnungsausftattung und -Kunft gewedt und gefördert 
merben. Nicht abftrakte Lehren, fondern Ionirete Anleitung zur praktiiHen Betätigung 
and Ausgeftaltung der AHriftlichen Gefinnung in und außer der Familie ift die 
Danptfache. 
Ber für die Zukunft eine gefunde Familie fidhern will, muß [Hon bei der Jugend 
»nfeßen, Gier obliegen der Seelforge befonders ernite Aufgaben, GE gilt vor allem, 
Xe reihen Heilsmittel der Kirche zur Erziehung einer ideal gerichteten, fittlich ftarken 
and reinen Jugend mit doppelten Eifer zu pflegen, in dem Bewußtiein, daß wir damit 
nicht bloß für das zeitlie und ewige Lebensglüd der un& anvertrauten Jugend, 
londern auch für das Vaterland die hHöchjten Dienfte feiftern. Uber auch hier ift die Auf» 
gabe, den Kindern, Jünglingen und Jungfrauen die rechte Anleitung zu geben, wie 
fie jebt {don gegenüber SGefhwijtern und Eltern ihre Vflichten zu erfüllen haben.
	        
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