D. Bekämpfung des SGeburtenrüdganges 207
Reben8 in fcharfem Widerfprudh ftehen. Wenn gerade in den gebildeten
und befibenden Kreijen der Geburtenrlidgang fo ftark ift, jo fällt vielleicht
ein großer Teil der Verantwortung auf die Ärzte, die oft die Gefahren
und Bedenken einer neuen Schwangerfchaft oder Niederkunft übertreiben
und, ftatt der ernften Pflicht das Wort zu reden und Kraft und Mut zu
heben, nur zu leicht bereit jind, den ftillen WünjdhHen der Frauen ent-
gegenzufonımen. Mögen die ernjten Mahnungen angefehener Standes-
genoffen aud) hier das Sewifjen fqhärfen.
Endlich darf der Großmacht der Prefjfe nidht vergefjen werden.
Stärfer als die individuelle Sittlidhkeit ift die Macht der Öffentlidhen Sitte,
Sie wird beftimmt durch die SÖffentlide Meinung, die aber zum Ausdruck
fommt und auch wieder maßgebend beeinflußt wird von der Prefje.
Namentlich die Frauen, die berufenen Hüterinnen der guten Sitte, unter-
itehen aucd) am meiften den Einflüfjen und Wandlungen der Zeitanfhau-
ungen, der Macht der „Mode“. Darin ruht die große Verantwortung
der Preife. Sie fpricht jeden Tag in jeder Familie vor. Jung und alt laufcht
ihr. Die Borftellungen und Gedanken, Spott und Zweifel wie Sochfdhäßung
und Empfehlung, wie fie in den Zeitungen und BZeitfchriften tagtäglich
offen oder verftedt zum Ausdrud kommen, wirken nach in den Borftellungen,.
Urteilen und SGemütsitimmungen, zum Suten wie zum Böfen, Diefem
tagtäglichen Einfluß gegenüber Halten auch die tiefften Eindrüde aus Schule
und Kirche auf die Dauer nicht jtand. Vor allem wird die Jugend demfelben
zrliegen. Und wenn wir nun unter diejem Gefichtspunkt unjere Sroffjtadt-
breife mit den Majlenauflagen, unjere Generalanzeiger, fo mande illu-
itrierte ‚Beit]chriften uf. prüfen, dürfen wir ung da wundern, wenn €3.
jo ralch mit unferm Familienleben und der Erfüllung der fittliHen Pflichten
abwärts gegangen ijit? Dabei fehen wir noch von den groben Dingen,
die fhon von der Sittenpolizei geahndet werden follten, ab (fiehe oben
S,200$. € ift der SGeift, der aud) zwijlchen den Zeilen weht, der den
Einfluß beftimmt. Meijltens entjHeidet der Hausvater, weldhe Zeitungen
und Beitfchriften tagtäglich in die Jamilie Lommen, ohne zu bedenken,
daß auch die Söhne und Töchter, die Dienjtboten u. a. fie lejen. Was.
er vielleicht gar nicht beachtet, wird diefen gerade zum Verderben. Hier
joßlten die Mütter, die eine feinere Empfindung auZzeichnet, ihr Haus
und Schubrecht wahren. Vielleicht wird gelegentlid audh ein energifcher
Nrotejt zufammen mit andern Frauen bei der Redaktion oder Öffentlich
nicht ohne Wirkung bleiben. Die anftändige Preije aber und die pofitiv
geridhteten Schriftfteller und Dichter follten ihren weitreidhenden Einfluß
heute mehr wie je bewußt in den Dienft der Familie ftellen, Dasfjelbe gilt
ir das Theater und die Kunft. Leider, daß diefe in unjerer großen Zeit
bisher noch faft ganz verfagt Haben!
Wer die Hochachtung und Stärkung der Familie erftrebt, darf aber nicht.
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