Der Geburtenrüdgang im Lichte der Statiftit 227
Uber auch hier ftehen wir in einer abfteigenden Entwid”
(ung. Dieje wird fih erft recht als Folge der KriegZjahre be”
merklich machen. Nicht bloß, daß in diefen Jahren die Zahl der Geburten
Hart abnimmt, die Sterblichkeit fid erhöht, — viel fHlimmer ift, daß es
gerade bie gefundeljten, Iräftigjten, tapferjten und
tücdtigijiien Männer in den frudtbarften Jahren find,
unter benen ber ob fowie Krankheit, Verftümmelung und Siechtum
die graufamijte Ernte Halten. Der ganze Altersaufbau der Bevöllerung fowie
die Verteilung der Gefjdhlecdhter wird ungünftig verjhoben, indem der
Anteilder Kinder, Frauen und Greife [igH verftärkt.
Diefes wirkt aber auch dauernd nach und wird in der folgenden Ge
neration fid) jteigernd geltend maden, indem dann eben
junge Eltern in der entjpredjenden Zahl fehlen. Wenn fchon nach den VBer-
Hältniffen der Friedensjahre gerechnet, der Zeitpunkt allzu nahe ift, wo
die Zahl unjerer Schultinder nicht mehr fteigt (iehe unten) und damit
dann auch bald die ZahlderMilitärtauglidenihrenHöihe
punkt erreiden wird, fo it diefe Gefahr durch die Kriegsinhre
noch erhöht.
5, Die Frage nad) den Wechfelbeziehungen zwijden Beruf und
Seburtenzahl ift nod) fehr wenig geklärt. Daß hier gewiffe Wechfel-
mwirkungen vorliegen, dürfte wohl Feinem Biveifel unterliegen. Eine andere
Hrage bagegen {ft e8, ob die beruflide Be{Häftigung die Haupturfacdhe fir
die verfdhiedene GeburtenhHäufigkeit in den einzelnen Berufen it, oder ob
nicht vielmehr die treibenden Kräfte ganz anderer Natur find. Wenn
beijpielsweije in der Gruppe Landwirt{dhaft die Höhe der Seburtenziffer
zurücjteht hinter bem Anteil, den die IandwirtiHhaftliche DBerufsbevölferung
‚einfchließlidh der Angehörigen) an der Sefamtbevölferung hat, fo kann
diefer Unterfchied zurüczuführen fein auf eine bedeutend geringere Bofegung
der jüngern Altersfiufen (unter 30 Jahren) bei den Verheirateten
in der Sandwirtjhaft gegenüber andern Berufen; fie kann weiter zurüc-
zuführen fein auf eine geringere Cheziffer überhaupt, auf den volllommen
verjdiedenen Altersaufban der Landwirtjhaft gegenüber der Inbuftrie,
der ja in der Hauptjache auf die Abwanderung vom Lande zurüczuführen
it. Durch diefe Abwanderung werben den übrigen Derufsgruppen Menfcdhen
in den leiftungsfähigften Altersftufen zugeführt, der LandwirtiHhaft ba-
gegen entzogen, {o baß die landwirt{Haftlidhe Bevöllerung eine hedeutend
geringere Bejekung der Altersjtufen aufweijt, welde im zeugunagsS und
gebärfähigen Lebensalter jtehen. Wenn dann umgekehrt die Induftrie
finderreicher dafteht, fo darf nicht vergeffen werden, daß fie eben durch die
Zuwanderung einen für die Geburtlichkeit befonders günftigen Altersaufbau
aufzumeijen Hat, und daß weiter die Chen meijt in viel jüngerm Alter
gefloffen werden. Vor allem aber darf man folaendes nicht unbeachter
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