Full text: Geburtenrückgang u. Sozialreform

Hite, Gebnrtenrüdgang und ESozialreform 
Neize, mie fie durd unfere Literatur und Kunjt, durch Theater und Schau- 
itellungen, durch Alkohol und Vergnügungslokale. ausgeübt werden, mur 
zu geeignet, die ge{dHlecdhtliden Leidenfhaften vorzeitig zu weden und 
yu entflanımen. So brechen zunächft in unfern Großftädten, dann aber auch 
über diefes Bereich hinaus alle fittligHen Schranken ein. Ein Jrühreifes, 
vBofildh und fittlid) gebrocdhenes Geflecht muß die Folge fein. An ernite 
Erftrebung und mürdige Vorbereitung für die Gründung eines „eignen 
Gerbes“ wird gar nicht gedacht — an deffen Stelle tritt die Anhuiphung 
eines „VBerhältnifjes“, das weniger Koftet, leichter gewechjelt werden kann 
nd feine Verantwortung und Laft für die Zukunft bringt. 
So it der fittlid-nationale Abftieg Nar gezeichnet. Mit einer mäßigen 
Rationalifierung der Geburten“ in der Che beginnt 
te Entwidlung, dann folgt das Zweilinderfyjtem, dann die Ein- 
fnd- und die Änderloje Che, und mitder„Treien Liebe“ [OlieRt 
ile ab. Damit ift aber das Grab der Nation gefchaufelt! 
5. Untergrabung der Religiofität und des Ölaw 
dens. Der Glaube und feine Gejebe, die religiöje Überzeugung und Be- 
tätigung find der befte SHuß gegen die ftartfen Anjtürme der Leiden ichaften. 
Umgefehrt muß die gewohnheitsmäßige Berlegung diefer Pflichten zu 
Aweren innern Konflikten, zu einer allmählichen religiöfen Erfaltung 
und Entfremdung führen, die nur zu oft in Unglauben und Gotteshaß 
Ihren Abichluß findet. Die Gottentfremdung der Eltern wirkt weiter auf 
die Familie, auf Kinder und Enkel. So gewinnt der Unglaube weiter 
Boden, und eS erwächtt allmählidh ein Gejchlecht, das für die Religion nur 
Widerwillen, Spott und Hohn hat oder gar jedes religiöjen Bedürfnifles 
Jar it. So finten immer mehr auch dieje lebten Stüben der fittlichen Ord- 
mung, zunächit in den Familien, dann in Sejellihaft und Staat, eine Ent- 
vidlung, wie wir fie in Frankreid) vor Augen fehen. E83 ijt die Frucht des 
ranzöfijden ‚Zweikinderyjtems, wenn dort auch das platte Land — ab- 
zelehen von einigen Dafen, in denen noch Kinderreichtum und gläubiger 
Stun vereinigt beftehen — dem vollen Unglauben verfallen it. 
Die Solidarität zwijchen Kinderreichtum 1nd Meligiofität gilt vor 
allem für die $atholiken. Die katholijdhe Sittenlehre kennt keine 
Rompromiffe; hier muß alfo der Konflikt des Gewijfen? fich doppelt 
geltend madjen. Jeder Gedanke an Gott, jeder Befuch des Sottesdienjtes 
bedeutet Gemwijfensmahnung. Der Empfang der Sakramente erfordert 
aufrichtige Reue, ernjten Borjaß. Der Wille verfagt zu {tarfem EntjOluß, 
and fo wird bald die Meligiofität erkalten, die Kirche. wird gemieden, dem 
Empfang der Sakramente ausgewidhen. Das Beifpiel der Eltern geht über 
auf die Rinder, und das Koftbarfte Gut, die ftärkiten Erziehungsmomente 
gehen verloren. Das ift der tragiiche Nbjchluß der anfangs vielleicht leicht 
zenonımMenen fittlicdhen Berfehlungen. 
12
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.