20 Hive, Geburtenrüdgang und Sozialreforut
jelbitlojen Propheten einer neuen, glüdlidern MenfHheitskultur ausgeben,
oft genug nur die bezahlien Söldner dieler verbrecherifichen FJndultrie
ind.
Dieje Induftrie und ihre Geiftesverwandten gehen weiter. Selbit vor
dem feintenden Leben maden fie nicht Halt. Die Ärzte, namentlich die
Hraucnärzte, geben erjchredende Zahlen an über die Fruchtabtrei
bungen und -tötungen.
Nach neueften Statiftifen tommt auf 5 Graviditäten 1 Abort und auf 4 Geburten
desgleidhen 1 Abort. Im ganzen Reihe wurden 475000 AWborte gezählt. (So
Rrofelflor Bumm.) In den großen Städten find fie zahlreidher als in den Meinen
und auf dem Lande. 80 Prozent (OIshHaufen) bis 96 Prozent (Lindemann-Hale) Können ale
provazierte gelten.!) Sie führen meiften8 mittelbar oder unmittelbar zu Ichweren,
dauernden Schädigungen, oft zu Krankheit und Tod. Die Haupturjache i{ft die
Infettion, daneben aber au innere Verlegungen, Verblutung uw. Bei fpätereı
Schwangerfchaft wiederholen fichH meiftenz die Wborte. Infolge der Nachwirkungen,
bie die Inanfpruchnahme des Arzte8g veranlafjen, werden fie auch meiften8 erfi
betannt. Die Gerichte erfahren wenig davon, denn „wo fein Ankläger ift, ift a-rd
tein Richter“.
Muffällig ft die große Zahl der eigenhäudigen Abtreibungen.
Die Injirumente ftehen ja verlodend in den Schaufenftern. Daß fie
aud) diejen Zweden dienen Können und {follen, wird nur vertraulich
flargelegt. Oft genug find jhon die Frauen durch „mifjfenfHaftliche“, reich
und verlodend illuftrierte Werke über SGefundheitspflege ujm. (3. B. von
Bilz, Plate) die in Hunderttaufenden von Exemplaren Verbreitung
Anden, mit den Vorftellungen und Gedanken vertraut genracht. Yır
Inferaten finden fihH Angebote für Nat in diskreten Angelegenheiten
Agenten gehen von Haus zu Haus, wo fie Gefdhäfte zu machen hHoffert.
Der Vertrieb Lohnt jidh, denn e& werden Preife gefordert und gegeben,
die fünf- und zehnfach den Wert überfHhreiten. Ein befonderS trauriges
Kapitel it, daß fich oft felbit Ärzte und Hebammen zu verbrecherijdhen
Eingriffen gegen das Keintende Leben hergeben. 'Dft ijt e8 eine falfche
Nachgiebigfeit und Teilnahme, Öfter einer leichtfinnige, gewijfenlofe
Vebensauffafjung, vielfach Yt e& aber auch der gemeine Manımon, der
zu jJolcdh frevelhaften Dienften beftimmt. Ya, e8 foll in Großitädten Ärzte
geben, die weibliche Hilfsiräfte entipredhend ausgebildet Haben und diele
regelmäßig in die Familien ihrer „KundfHaft“ entfenden. Das fchlimmite
it, daß diefe jhwerer Verirrungen einzelner auf die Auffalfungen und
Sitten des ganzen ärztlichen Standes zurücmwirken und fo auch die
gewijfenhaftern Elemente aus Rücfichten der Konkurrenz zur Nach:
giebigleit beftimmen. Dieje Gefahr ift aber noch weit größer bei den
Hebammen, Malfeufen, privaten Eutbindunasanitalten ulw.
*) Bericht des „Werztl. Zentralanzeigers“ über Verhandlungen in der Gejelichaft
für Geburtshilfe und Gynätoloaie in Berlin, 1916, Nr. 34